Sozialverband VdK Deutschland e.V.
27. März 2013

Armutsrisiko in Deutschland zu hoch

Das Armutsrisiko in Deutschland ist statistisch niedriger als im EU-Durchschnitt, aber höher als in den direkten Nachbarländern - mit Ausnahme Polens. Die Sozialverbände, darunter der VdK Deutschland, finden das bedenklich.

In den letzten Jahres geradezu ein typisches Symbol für Armut in Deutschland: Viele Menschen versuchen, sich durch das Sammeln von Pfandflaschen etwas hinzuzuverdienen. | © Imago

Das Armutsrisiko in Deutschland ist nach Einschätzung der großen Sozialverbände zu hoch. Die Bundesrepublik schneide im europäischen Vergleich zwar überdurchschnittlich gut ab.
Angesichts der guten Konjunktur und mit Blick auf die direkten Nachbarn sei das aber nicht gut genug, kritisierten Vertreter von Paritätischem Wohlfahrtsverband, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Sozialverband VdK. "Wir haben eine Rekordarmutsgefährdung bei sinkenden Arbeitslosenzahlen. Das ist schon bedenklich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Ulrich Schneider.

Etwa jeder sechste Einwohner Deutschlands (15,8 Prozent) galt im Jahr 2010 als armutsgefährdet, so die am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlichte EU-Statistik. Das waren 1,1 Prozentpunkte weniger als der EU-Mittelwert. Das Einkommen des obersten Fünftels der Menschen in Deutschland war 4,5 Mal so hoch wie das des untersten Fünftels (EU-Durchschnitt: 5,1).

VdK-Präsidentin: Armutsquote steigt schleichend an

"Wenn ich Deutschland mit Bulgarien vergleiche, schneiden wir immer noch gut ab", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Beunruhigend ist aber, dass auch in Deutschland die Armutsgefährdungsquote nicht zurückgeht oder gleichbleibt, sondern schleichend steigt." Immer noch verließen zu viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss und zu viele Frauen hingen nach der Babypause ungewollt in einem Teilzeitjob fest. Zu viele Betriebe stellten - aufgrund unbegründeter Ängste - keine Behinderten ein.

Besonders trifft es den Fachleuten zufolge Alleinerziehende, Familien, Alte und Erwerbslose. Alleinerziehende seien sogar im EU-Vergleich überdurchschnittlich häufig arm, stellte der Sozialexperte der Diakonie, Michael Schröter, fest. Auffällig sei auch die Armut von Rentnerinnen. Die Diakonie sieht dringenden Handlungsbedarf bei familienpolitischen Leistungen, der Armutsgefährdung von Senioren und der sozialen Integration von Langzeiterwerbslosen. Schröter fordert unter anderem eine Mindestsicherung für Kinder und Jugendliche und ein Programm, das die hohe Armutsgefährdung von Frauen in den Blick nimmt.

dpa

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