2. Juli 2012

So hilft der VdK: Mutter setzt mit dem VdK die Pflegestufe I durch

Erst nach dem dritten Gutachten bekommt ein schwerbehindertes kleines Mädchen die notwendige Hilfe bewilligt

Ein Jahr lang hat Mareike Broschat (Name von der Redaktion geändert) um die Pflegestufe I für ihre schwerkranke Tochter kämpfen müssen. Mithilfe des Sozialverbands VdK in Bayreuth (Bayern) gelang es ihr, die Einstufung durchzusetzen. Doch bis es so weit war, mussten einige Hürden genommen werden.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK ) hatte die Pflegestufe I für die Dreijährige bereits zwei Mal abgelehnt, als Mareike Broschat in der lokalen Presse auf den Sozialverband VdK aufmerksam wurde. Sie trat dem Verband bei und erfuhr, dass ihr Fall nichts Ungewöhnliches ist. Die Zahl der Widersprüche im Bereich der Pflegeversicherung habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen, stellt der Bayreuther VdK-Kreisgeschäftsführer Christian Hartmann fest. Obwohl pflegende Angehörige oft psychisch stark belastet seien, müssten sie zusätzlich um jede Sekunde Anerkennung der Pflegezeit kämpfen und das oft bis vor das Sozialgericht, so Hartmann.

Zeitaufwand

Die Mutter ließ sich nicht entmutigen und entschloss sich, hartnäckig zu bleiben. "Ich möchte es zumindest probieren", sagte sie. Heute ist sie froh darüber. Sie bekommt nun 235 Euro im Monat für die Pflege ihrer Tochter, die zu 60 Prozent schwerbehindert ist. Dem Kind fehlen von Geburt an unter anderem die unteren Nervenbahnen zur Steuerung der Blase. Allein die aufgewendete Zeit für die Grundpflege mit Windelwechseln, waschen, baden und auf die Toilette gehen erfordert über eine Stunde. Für die Bewilligung der Pflegestufe I muss der Zeitaufwand für Pflege, Ernährung und Mobilität täglich durchschnittlich 90 Minuten betragen. Für die Grundpflege werden mindestens 46 Minuten veranschlagt, die Mareike Broschat für ihre Tochter bereits überschritten hat.

Widerspruch

Im Mai 2011 hatte sie erstmals bei der Pflegekasse einen Antrag auf Pflegestufe I gestellt. Der MDK kam bei seinem Besuch allerdings nur auf 29 Minuten. Die Mutter war fassungslos über das Gutachten und legte Widerspruch ein. Doch es kam noch schlimmer. Der MDK ließ ein weiteres Gutachten anfertigen. Das schockierende Ergebnis: sogar nur noch 17 Minuten Aufwand für die Grundpflege. Mareike Broschat hatte den Eindruck, dass bestimmte Hilfen für ihre Tochter nicht berücksichtigt worden waren. Beide Male hatten Pflegekräfte die sozialmedizinische Begutachtung vorgenommen.

Mareike Broschat suchte sich Hilfe und fand sie beim VdK. Nach einem weiteren Widerspruch bestellte das Sozialgericht einen neuen Gutachter, einen Arzt. Jetzt begann sich das Blatt zu wenden. Der Gutachter kam auf 49 Minuten Grundpflege pro Tag. Die Pflegekasse bewilligte endlich die Pflegestufe I und zahlte diese rückwirkend ab Mai 2011.
Für Mutter und Tochter hat sich der Kampf um die Pflegestufe I bis hin zum Sozialgericht Bayreuth gelohnt. Der Sozialverband VdK war ihr dabei aufgrund seiner großen Erfahrung eine wichtige Hilfe.

Begutachtung

Der MDK wird bekanntlich von den Kranken- und Pflegekassen finanziert. Über die Frage, wie unabhängig der MDK ist, kommt es immer wieder zu Diskussionen. So berichtet Christian Hartmann aus der Praxis, dass der MDK bei der Begutachtung für die Pflegestufe die "Zeit so knapp wie möglich bemisst". Die großen Unterschiede in den Gutachten für das kleine Mädchen erklärt sich der VdK-Rechtsexperte damit, dass nicht alle Umstände in die Begutachtung eingeflossen sind. Die realistischen Zahlen ließen sich oft erst vor dem Sozialgericht klären, sodass an einem Gerichtsverfahren leider meist kein Weg vorbeigehe. Dabei steht der VdK Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen mit seinem Wissen und seiner Erfahrung zur Seite, damit sie ihr Recht und die ihnen zustehende finanzielle Hilfe bekommen.

sko

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