1. Juni 2012

Die Suche nach den eigenen Vorfahren liegt im Trend

Immer mehr Menschen erforschen ihre Familiengeschichte und begeben sich weltweit auf die Spuren ihrer Ahnen

Familiengeschichte ist ein Abenteuer, für das sich immer mehr Menschen begeistern. Wie haben die Urgroßeltern gelebt, und welche Berufe wurden über die Jahrhunderte in der Familie ausgeübt? Wer über die eigenen Vorfahren recherchiert, kann spannende Details entdecken.

Einige Hürden gilt es bei der Spurensuche jedoch zu überwinden. Viele Dokumente der Vorfahren sind für die heutigen Nachkommen kaum zu entziffern. Archive und genealogische Vereine helfen hier weiter. Genealogie, auch Ahnenforschung genannt, ist in Deutschland ein sehr beliebtes Hobby. Bei den bundesweit knapp 70 genealogischen Vereinen sind mehr als 25.000 Hobbyforscher erfasst.

Gefühl von Heimat und Geborgenheit

Auch Dr. Albert Vogt vom Bayerischen Landesverein für Familienkunde (BLF) bestätigt, dass die Suche nach der eigenen Herkunft boomt – bei Jung und Alt gleichermaßen. Der Grund: Vielen Menschen vermittelt es ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit, wenn sie wissen, wo die eigenen Wurzeln liegen. Der 50-jährige Regensburger beschäftigt sich selbst seit mehr als 25 Jahren mit seiner Herkunft und ist im BLF für den Bezirk Oberpfalz zuständig. Seine familiäre Abstammung konnte er bis ins Jahr 1570 zurückverfolgen.

Wie geht man bei der Suche am besten vor? Einsteigern rät Vogt, zunächst einmal so viele Informationen wie möglich über die eigene Herkunft zusammenzutragen. Fotoalben, Grundbücher, Briefe sowie Gespräche mit Familienmitgliedern der älteren Generation bringen einen schnell auf die richtige Spur. Der nächste Schritt führt dann in die Standesämter und kirchlichen Archive. Beim örtlichen Standesamt kann Einsicht in Geburts-, Heirats- oder Sterberegister beantragt werden. Dabei gilt zu beachten, dass aus Datenschutzgründen nur direkte Nachkommen problemlos an die Dokumente herankommen. Alle anderen müssen sich an eine Sperrfrist halten, die durch das Personenstandsgesetz geregelt ist: Geburtsurkunden müssen älter als 110 Jahre, Heiratsurkunden älter als 80 Jahre und Sterbeurkunden älter als 30 Jahre sein. Alle Dokumente, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erstellt wurden, sind in Kirchenbüchern der jeweiligen Gemeinde niedergeschrieben.

Wer zum ersten Mal eine alte Urkunde in Händen hält, wird feststellen, dass einige Handschriften schwer zu entziffern sind. Hier beginnt die Detektivarbeit. Vogt erinnert sich, dass es ihm mit einem Testament eines seiner Ahnen so erging. "Zunächst konnte ich höchstens 50 Prozent davon lesen." Er hat das Schriftstück immer wieder gelesen – und wurde von Mal zu Mal besser. "Es ist ein schönes Erfolgserlebnis, wenn man am Ende sagen kann ‚Ich habe die Worte selbst entziffert‘", so Vogt.

Unterstützung für Hobby-Genealogen

Zudem gibt es hilfreiche Schrifttabellen, mit denen man die Buchstaben vergleichen kann. Selbst für die katholischen Kirchenbücher, die in Latein verfasst sind, gibt es gute Ratgeberliteratur. Wer dennoch einmal in einer Sackgasse steckt, kann sich an die genealogischen Vereine wenden. "Sie engagieren sich ehrenamtlich, tragen zur Bewahrung der örtlichen Geschichte und Kultur bei und unterstützen die Hobby-Genealogen gerne", bestätigt Vogt.

Verblüffende Entdeckungen sind allerdings selten. Blaues Blut beispielsweise fließt meist nicht in den Adern der Hobby-Forscher. Es passiert kaum, dass man erfährt, von adeligem Geschlecht abzustammen. Die Ahnen von Albert Vogt waren überwiegend in der Landwirtschaft oder in Handwerksberufen tätig. Doch einer von ihnen, dem Vogt auf die Spur kam, ragte doch heraus: Einer seiner Vorfahren hatte eine künstlerische Ader. Als Stiftsdekan trug dieser in den 1750er-Jahren dazu bei, dass die Basilika zur Alten Kapelle in Regensburg im Rokoko-Stil ausgestaltet wurde. "Das war bislang meine größte Entdeckung", sagt Vogt. Auch nach über 25 Jahren findet er immer wieder interessante Anknüpfungspunkte. "Fertig wird man eigentlich nie", weiß er. (ant)

Info

Die Forschung der Genealogen verlagert sich immer mehr ins World Wide Web. Im Internet können Online-Archive durchstöbert und Kontakt zu Gleichgesinnten geknüpft werden. Weitere Informationen zur Familienforschung sowie eine Liste mit den wichtigsten genealogischen Vereinen finden Sie unter: www.genealogienetz.de

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