1. Juni 2012

Eine ungleiche Gesellschaft

Sicherheit hängt nicht nur von Kriminalitätsrate ab

Ob wir uns sicher fühlen, hängt nicht nur davon ab, ob wir in einer sicheren Gegend leben. Denn obwohl die Kriminalitätsrate in Deutschland sinkt, fühlen sich immer weniger Menschen sicher. Die Gründe hierfür: Sie sorgen sich um ihre Existenz und ihre Zukunft. Denn sie haben keine Arbeit oder arbeiten für einen Lohn, der nicht zum Leben reicht. Und sie können im Alter kaum von ihrer Rente leben.

Die Kriminologin Dr. Wiebke Steffen hat in ihrem Gutachten "Sicher leben in Stadt und Land", das vor Kurzem auf dem 17. Deutschen Präventionstag in München vorgestellt wurde, einen klaren Zusammenhang zwischen innerer und sozialer Sicherheit herausgearbeitet. In dem Gutachten heißt es: "Die Lebenslagen und Lebenschancen hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit haben sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert. Wachsende soziale Ungleichheit, Verfestigung von Armut, fehlende Chancengleichheit im Bildungswesen, deutliche Integrationsdefizite bei Menschen mit Migrationshintergrund, erhebliche regionale Unterschiede hinsichtlich der Gerechtigkeitsdimensionen Einkommen, Bildung und Integration – Deutschland hat ohne Frage Nachholbedarf in Sachen sozialer Gerechtigkeit." Fazit: Soziale Unsicherheit schlägt sich negativ auf das Sicherheitsempfinden der Menschen nieder.

VdK sieht sich in seiner Arbeit bestätigt

Für den Sozialverband VdK bestätigt dieses Ergebnis sein Engagement für sozialen Zusammenhalt. In den vergangenen Jahren hat der VdK immer wieder auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich aufmerksam gemacht und die Politiker zum Handeln aufgefordert, zuletzt Ende des Jahres 2010 mit der erfolgreichen bundesweiten Aktion "Stoppt den Sozialabbau!"

© VdK

An diese VdK-Forderung knüpft das Gutachten von Dr. Steffen nahtlos an. Hier heißt es, dass die Wiedergewinnung von Sicherheit durch die Wiederherstellung sozialer Gerechtigkeit nicht nur ein elementares menschliches Bedürfnis, sondern auch eine komplexe staatliche Aufgabe ist. Die Politik müsse die Wurzel aller Probleme angehen: die soziale Ungleichheit. Als Erfolgsbeispiele verweist die Kriminologin auf die Wohlfahrtsstaaten Nordeuropas, die ihrer Meinung nach am besten in der Lage sind, für gleiche Chancen in der Gesellschaft zu sorgen.

Doch hierzulande scheint die Pflicht des Staates, die soziale Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten, brüchig geworden zu sein. Dr. Steffen zeigt in ihrem Gutachten auf: Die Verlässlichkeit und Planbarkeit des eigenen Lebens ist immer weniger gegeben. Die Gefahr dieser Entwicklung: "Soziale Ungleichheit schwächt die Wirtschaftskraft eines Landes, sie gefährdet den sozialen Zusammenhalt und schafft politische Instabilität." Dieser Trend kann laut Dr. Steffen nur gestoppt werden, wenn stärker in Bildung und Beschäftigung investiert wird und die stark angewachsenen Einkommensunterschiede abgebaut werden. "Der Sozialstaat hat eine Chance, muss jedoch mit aller Kraft verteidigt werden", so die Kriminologin.

Genau das hat sich der Sozialverband VdK auch künftig auf die Fahnen geschrieben. Denn gerechte Gesellschaften sind für alle besser, nicht nur für Arme, Kranke und Benachteiligte. Dies unterstreicht auch das Gutachten, in dem es heißt: "Soziale Ungleichheit wirkt sich auf das Wohlbefinden aller aus. Die sozialen Beziehungen verfallen umso mehr, je stärker eine Gesellschaft von Ungleichheit geprägt ist."

ikl

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