1. Juni 2012

Interview: Der Austausch der Generationen tut vor allem älteren Menschen gut

Sozialwissenschaftler Dr. Josef Bura spricht über das, was Mehrgenerationenwohnen mit sich bringt, und wie man Projekte findet

Mit mehreren Generationen unter einem Dach leben. Was das bedeutet, wie man das passende Projekt findet und was sonst noch zu beachten ist, erläutert Sozialwissenschaftler Dr. Josef Bura, Vorsitzender des Vereins Forum Gemeinschaftliches Wohnen.

Für wen sind Mehrgenerationen-Wohnprojekte geeignet?

Bura: Wer sich für das Leben in einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt entscheidet, sollte offen und neugierig sein und nicht schon im Voraus wissen, wie alles geht. Außerdem sollte man in der Lage sein, eine Balance zwischen Nähe und Distanz halten zu können, und nicht immer alles gemeinschaftlich tun.

Wie gut funktioniert das Miteinander in Mehrgenerationenhäusern in der Realität?

Bura: Das ist ganz unterschiedlich und kann sich auch ändern. Mal geht es im Miteinander gut, mal geht es weniger gut. Mehrgenerationenwohnen ist ja nicht das Paradies auf Erden. Und auch zwischen den Generationen ist es nicht immer einfach, weil die Jüngeren viel stärker in Verpflichtungen, denen sie nicht ausweichen können, eingebunden sind. Es ist ein spannendes Aufeinanderzugehen. Das kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten bereit sind, andere Meinungen zu respektieren, kompromissbereit zu sein und offen mit den Konflikten umzugehen.

Wie finden Interessierte Wohnprojekte in ihrer Nähe?

Bura: Zum Beispiel über unsere Projektbörse im Internet oder im Wohnprojekteportal www.wohnprojekte-portal.de. Darüber hinaus hat das Forum als Bundesvereinigung in 14 Bundesländern Regionalstellen, bei denen man sich vor Ort informieren kann. Von 21. bis 23. September gibt es übrigens Aktionstage zum Thema gemeinschaftliches Wohnen, während derer Projekte bundesweit ihre Türen öffnen.

Wie kann das Forum helfen, wenn jemand ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt gründen will?

Bura: Der erste Schritt ist, Gleichgesinnte zu einer Gruppe zusammenzubringen und aktionsfähig zu machen. Das geht erst mal ganz gut über unsere Suche-und-Biete-Plattform im Internet oder über die Regionalstellen. Die Experten vor Ort können dann Interessierte beraten und miteinander vernetzen.

Was macht die Mehrgenerationenidee für Ältere interessant?

Bura: Gesundes Altern definiert sich über Bewegung, gesunde Ernährung und soziales Eingebundensein. Man könnte sagen, wer einsam ist und keine Aufgabe hat, dem fehlt im Leben etwas Wichtiges: der Austausch mit anderen Menschen verschiedenen Alters, auch wenn es nicht immer einfach ist. Es gibt ältere Menschen, die sind in Mehrgenerationen-Wohnprojekten wieder richtig aufgeblüht. (csf)

Kontakt

Infos bietet das Forum Gemeinschaftliches Wohnen, Haus der Region, Hildesheimer Straße 20, 30169 Hannover, www.fgw-ev.de.

Infos zur Allmeind gibt es beim Bewohnerverein Allmeind, Kirchfeldallee 59, 93055 Regensburg, www.allmeind.de

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