30. September 2012

Kinder für die Tier- und Pflanzenwelt begeistern

Beim Naturschutzbund Deutschland können sich Senioren zu ehrenamtlichen Natur- und Wassertrainern ausbilden lassen

Viele Kinder kommen kaum noch mit der Natur in Kontakt, selbst wenn sie auf dem Land wohnen. Computer und Fernsehen sind fester Bestandteil ihres Alltags. Ihr Leben verlagert sich immer mehr ins Haus. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bildet seit Kurzem Senioren zu ehrenamtlichen Natur- und Wassertrainern aus. Sie nehmen Kindern und Jugendlichen die Scheu vor der Natur und zeigen, wie viel Freude aktiver Naturschutz machen kann.

"Der Naturschutzgedanke ist in den Köpfen vieler Menschen nicht eingebaut", sagt die pensionierte Lehrerin Anne Pfundstein aus dem baden-württembergischen Mengen. Sie will Kinder für die Natur begeistern. Schon in der Schule hatte sie auf Wunsch der Schüler eine Tierschutz-Arbeitsgruppe (AG) gegründet, der die Mädchen und Jungen jahrelang treu blieben. "Kinder haben unheimlich Spaß, wenn sie mit der Natur zu tun haben", doch außerhalb der Schule habe es in dieser Richtung keine Angebote gegeben. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des NABU Mengen arbeitet sie daran, das zu ändern: mit Erfolg.

Dialog der Generationen

Um mehr Jugendliche für den Natur- und Umweltschutz zu gewinnen, nutzt Anne Pfundstein den Qualipass des Kultusministeriums. Er gibt Auskunft über persönliche Stärken und das Engagement in den Bereichen Kultur, Sport, Soziales sowie Umwelt und Naturschutz, wird späteren Bewerbungen beigefügt und soll so Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.

Die Jugendlichen beobachten beispielsweise Fledermäuse und Vögel, schneiden Weidenruten für Storchennester, stellen Amphibienzäune auf, ermitteln den Uhu-Bestand im oberen Donautal und lernen zudem viele Fachleute kennen. Im Qualipass können sie sich die Teilnahme an Mitmachaktionen bei Pflegeeinsätzen und Artenschutzmaßnahmen ebenso bescheinigen lassen wie die kostenlose Aus- und Fortbildung zum Juniorranger für Kinder ab zwölf Jahren, die der NABU Mengen anbietet und die mit einer Urkunde und der Verleihung des Rangerabzeichens schließt. "Es freut mich, wie stolz sie dann sind", sagt Anne Pfundstein.

Ungefähr 300 Stunden im Jahr wendet die 64-Jährige für ihr ehrenamtliches Engagement auf. Ihr Ziel ist es, dass die Jugendlichen sich in der Natur auskennen und genügend eigene Erfahrungen gesammelt haben, um später eigenverantwortlich Aufgaben zu übernehmen. Sie bedauert, dass der Naturschutz im Gegensatz zu Fußball oder Musik keine größere Lobby hat und wünscht sich, dass Kinder hier grundsätzlich mehr Ausbildung, Beachtung und Anerkennung erhalten.

Beim NABU im Nachbarland Rheinland-Pfalz lassen sich zurzeit 35 ältere Menschen zu ehrenamtlichen Naturtrainern ausbilden, 25 Personen wollen Wassertrainer werden. Die Naturtrainer gehen in die Kindergärten, die Wassertrainer in die 3. bis 6. Klassen, um den ganzheitlichen Umgang mit dem Thema Wasser zu vermitteln. Sie leisten im Kindergarten und im schulischen Alltag einen wichtigen Beitrag zum Dialog der Generationen, bringen ihre Lebenserfahrungen und persönliche Hintergründe ein.

Im Rahmen des Grünen Klassenzimmers der Stadt Bingen erkunden Kinder unter Anleitung einer Wassertrainerin das nasse Element. | © Foto: NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen.

Grundausbildung und begleitete Praxisphase dauern anderthalb Jahre. Während sich bei den Naturtrainern vor allem 50- bis Anfang 70-Jährige engagieren, die "gerne etwas mit Kindern gemacht hätten, es beruflich aber nicht konnten, oder beispielsweise Enkel haben", seien es bei den Wassertrainern eher Lehrer, erzählt Robert Egeling, Geschäftsführer des NABU-Naturschutzzentrums Rheinauen in Bingen-Gaulsheim. 50 Prozent waren noch nie ehrenamtlich aktiv. Vorkenntnisse für die kostenfreie Ausbildung sind nicht erforderlich. Hauptmotivation der Teilnehmenden: Sie möchten selbst etwas dazulernen, sind offen für Neues und wollen nicht mehr zur x-ten Studienreise aufbrechen. Zu Beginn gibt es ein sehr ausführliches Kennenlerngespräch. "Wenn es nicht passt, raten wir auch schon mal ab", denn gesucht werden Ehrenamtliche, die statt zu referieren mit Kindern eigeninitiativ etwas unternehmen wollen. Trainer sei "nichts für passive Persönlichkeiten", denn man müsse sehr offen und flexibel sein, auch um mit den Unzulänglichkeiten in den Kindergärten wie beispielsweise der Personalnot zurechtzukommen, so Egeling.

Naturtrainer gehen nie allein mit den Kindern hinaus, da sie nicht die pädagogische Aufsicht haben. Sie liefern inhaltliche Anstöße für die Arbeit im Kindergarten, machen Kinder mit Tieren vertraut, helfen Ängste abzubauen. Da werden spielerisch gemeinsam Nester gebastelt, Blätter gesammelt und Tiere bestimmt. "Das Feedback der Kinder ist die größte Motivation für die Trainer", sagt Egeling. (stw)

Info:

Die Projekte und Angebote sind von Land zu Land sehr unterschiedlich. Wer sich im Naturschutzbund Deutschland (NABU) ehrenamtlich engagieren will, wendet sich an eine der zahlreichen Ortsgruppen oder an die NABU-Bundesgeschäftsstelle, Charitéstraße 3, 10117 Berlin, Telefon (0 30) 28 49 84-15 10, Fax -2500; www.nabu.de

Kontakt Projekt Natur- und Wassertrainer:
Robert Egeling, Telefon (0 67 21) 1 43 67, Fax (0 67 21) 1 00 04; kontakt@nabu-Rheinauen.de , www.nabu-rheinauen.de

Kontakt NABU Mengen:
; info@nabu-mengen.de , Telefon/Fax (0 75 72) 76 74 39;
www.qualipass.info

Schlagworte Tiere | Pflanzen | Kinder | Umweltschutz | NABU | Naturschutzbund | Senioren | Ehrenamt | Engagement | ehrenamtlich | Naturtrainer | Wassertrainer