Ausgewählte Artikel der VdK-Zeitung, Ausgabe September 2010 *** VdK kämpft für Erhalt der Rentengarantie Ulrike Mascher: „Alles, was man bei den heutigen Rentnern kürzt, fehlt auch den Rentnern von morgen“ Die Rentengarantie muss bleiben, fordert der Sozialverband VdK Deutschland und bezieht damit deutlich Position gegen einige Politiker, die deren Abschaffung ins Spiel gebracht haben. Der VdK hat 2009 die Rentengarantie durchgesetzt, die sicherstellt, dass der Zahlbetrag der Rente zumindest nicht gekürzt werden kann. „Sollte dies im Zuge der Haushaltssanierung ernsthaft infrage gestellt werden, wird der VdK mit öffentlichen Protesten antworten“, erklärte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vom 26. Juli, die Rentengarantie abzuschaffen, wies VdK-Präsidentin Ulrike Mascher wenige Stunden nach Bekanntwerden aufs Schärfste zurück: „Durch drei Nullrunden in Folge und zwei Mini-Rentenerhöhungen haben die Rentnerinnen und Rentner bereits zwischen 2004 und 2009 erhebliche Kaufkraftverluste hinnehmen müssen.“ Durch die Nullrunden 2010 und 2011 sowie die zu erwartenden erheblichen Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung werde sich der Wertverlust der Rente noch weiter fort­setzen. Das Argument von Minister Brüderle, „die Renten müssen zunächst erwirtschaftet werden“, löste bei Rentnern Verärgerung und Verbitterung aus. Mascher: „Die Rente ist kein sozialpolitischer Gnadenakt des Staates, sondern der Lohn für die Lebensleistung von 20 Millionen Menschen, die jahrzehntelang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben.“ Auf die Aussage Brüderles, es werde dauerhaft nicht funktionieren, die Rentenentwicklung von der Lohnentwicklung abzukoppeln, entgegnete die VdK-Präsidentin: „Die Renten entwickeln sich schon lange nicht mehr analog zu den Löhnen. Rentenkürzungsfaktoren wie Riesterfaktor, Nachhaltigkeits- und Ausgleichsfaktor haben die Rentner über Jahre hinweg von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Deshalb ist die Rentenschutzklausel, die zumindest eine Kürzung des Rentenzahlbetrags verhindert, das Mindeste, wo­rauf Rentner sich in Zukunft verlassen können müssen.“ Die schnelle Reaktion des VdK zeigte Wirkung. Noch am selben Tag verkündete das Bundesarbeitsministerium, dass an der Rentengarantie nicht gerüttelt werde. Und schließlich ließ die sich im Urlaub befindende Bundeskanzlerin Angela Merkel durch ihren Regierungssprecher erklären, dass die Abschaffung der Rentengarantie nicht auf der Tagesordnung stehe. Doch das Machtwort der Kanzlerin haben nicht alle respektiert. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Michael Fuchs stellten wenige Tage danach die Rentengarantie wieder infrage. Und der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bezeichnete die Rentengarantie, der er 2009 zugestimmt hatte, gar als eine „im ­Sinne der Generationsgerechtigkeit falsche Entscheidung“. Mascher lässt diese Argumente nicht gelten: „Tatsache ist, dass die Rentengarantie allen nützt. Alles, was man heute bei den Rentnern kürzt, fehlt auch den kommenden Generationen. Die Absenkung des Rentenniveaus trifft heutige und künftige Rentner gleichermaßen. Bei der Rente sitzen Jung und Alt in einem Boot.“ Das sieht auch die große Mehrheit der Bevölkerung so: 82 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Rentengarantie bleiben soll. Nur 16 Prozent finden, dass auch die Renten sinken sollten, wenn die Löhne sinken. Dies ergab eine repräsentative Umfrage im Rahmen des ARD-„Deutschlandtrend“ vom 5. August. Kaum hatte sich die öffentliche Diskussion um die Rentengarantie etwas beruhigt, gewann die Auseinandersetzung um die „Rente mit 67“ wieder an Schärfe. Die Position des Sozialverbands VdK ist klar: Solange der Großteil der Arbeitnehmer wegen Krankheit, Arbeitslosigkeit oder mangelnder Weiterbildungsmöglichkeiten nicht in der Lage ist, die heutige Altersgrenze von 65 zu erreichen, macht die „Rente mit 67“ keinen Sinn. Als „utopisch“ bezeichnete die VdK-Präsidentin Vorschläge von Wirtschaftsinstituten, die „Rente mit 70“ einzuführen: „Diese Wissenschaftler sollten darüber mal mit Altenpflegerinnen oder Bauarbeitern sprechen, um nachvollziehen zu können, wie realitätsfern dies ist.“ Autor: Michael Pausder *** VdK-Protestaktion „Stoppt den Sozialabbau“ Plakatkampagne prangert wachsende Kluft zwischen Arm und Reich an Der Sozialverband VdK Deutschland startet am 1. Oktober seine große Protestaktion „Stoppt den Sozialabbau“. Die Aktion richtet sich gegen das sozial unausgewogene Sparpaket der Bundesregierung, das die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößert, gegen die Gesundheitsreform, die die steigenden Gesundheitskosten in Form von Zusatzbeiträgen einseitig den versicherten Arbeitnehmern und Rentnern aufbürdet, sowie gegen Bestrebungen, die Rentengarantie wieder abzuschaffen. Wesentlicher Bestandteil der Protestaktion wird eine bundeswei­- te Plakatkampagne sein. Der „Fachverband Aussenwerbung“ (FAW) stellt für die So­zialkampagne 10 000 Groß-Werbeflächen zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. Die Kooperation zwischen VdK und FAW hat sich bereits bei der „Kampagne 50+“ im Jahr 2003 und bei der „Aktion gegen Armut“ 2008 als sehr wirkungsvoll erwiesen. Auch diesmal werden wieder drei aufrüttelnde Plakatmotive mit kurzen, präzisen Botschaften entwickelt. Flankiert wird die Plakatkam­pagne durch Veranstaltungen der Landesverbände. Auf der VdK-Homepage www.vdk.de wird eine Protestplattform installiert, die es jedem Bürger ermöglicht, seinen Protest schriftlich zum Ausdruck zu bringen. Start ist der 1. Oktober. Weitere Informationen zur Protestaktion des Sozialverbands VdK lesen Sie in der Ende September erscheinenden Oktober-Ausgabe der VdK-Zeitung. Autor: mpa *** Kommentar: Rente mit 67 oder 70? So manche Politiker und Wissenschaftler haben sich in diesem Jahr die Rente als Sommerloch-Thema auserkoren. Das waren noch Zeiten, als in der politikfreien Zeit das Ungeheuer von Loch Ness, Braunbär Bruno oder die Forderung eines Bundestagshinterbänklers, Mallorca zum 17. Bundesland zu machen, die Schlagzeilen prägten. Da konnte man wenigstens noch schmunzeln. Bei den Äußerungen zur Rentengarantie und zur „Rente mit 67“ oder „Rente mit 70“ vergeht einem jedoch das ­Lachen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle stellte die vom VdK durchgesetzte Rentengarantie infrage, auch mit dem Hinweis, die Rente müsste schließlich erst „erwirtschaftet“ werden. Das empört unsere VdK-Mitglieder. Herr Brüderle übersieht nämlich dabei, dass die Rentnerinnen und Rentner durch ihre Erwerbsarbeit und ihre Beitragszahlungen jahrzehntelang zur Erwirtschaftung der Renten beigetragen haben. Für nicht weniger Aufregung sorgten namhafte Wirtschaftsforscher, denen die geplante „Rente mit 67“ noch nicht weit genug geht und die langfristig die „Rente mit 70“ fordern. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, nannte dies „den humansten Ansatz“, mit der Herausforderung einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung umzugehen. Ich halte die „Rente mit 70“ für utopisch. Der VdK lehnt auch die „Rente mit 67“ ab, solange ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt so wenig Chan­cen haben wie bisher. ­Diejenigen, die unbeirrt an der „Rente mit 67“ festhalten oder gar die „Rente mit 70“ fordern, kommen mir vor wie ein Fußballtrainer, der den ­Titelgewinn in der europäischen Königs­klasse, der Cham­pions League, als realistisches Ziel bezeichnet, obwohl sein Club gerade erst in die Regionalliga aufgestiegen ist. Bei der Beschäftigung und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer spielt Deutschland nicht in der ­europäischen Spitzenklasse. Nur rund 20 Prozent der 60- bis 65-Jährigen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, bei den 64-Jährigen sind es weniger als zehn Prozent. Jeder zweite Betrieb in Deutschland beschäftigt keinen einzigen über 50-Jährigen. Auch wenn die Beschäftigungsquote Älterer lang­sam steigt, so haben sich die Chancen älterer Arbeitsloser nur wenig verbessert. Wer stellt schon einen 55-jährigen Arbeitslosen ein? Auch die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer ist für viele Unternehmen ein Fremdwort. Nur 2,5 Prozent der über 55-Jährigen werden noch fortgebildet. Auch kann man nicht alle Berufe über einen Kamm scheren. Als Wissenschaftler oder Bank-Manager lässt es sich durchaus noch mit 67 oder 70 arbeiten, aber für Bau- oder Fließbandarbeiter, Kranken- und Altenpfleger, Erzieherinnen und viele andere in körperlich und psychisch stark belastenden Berufen ist ein späterer Rentenbeginn unrealistisch. Für Menschen, die deshalb nicht so lange durchhalten und früher aufhören müssen zu arbeiten, bedeutet das höhere Abschläge bei der Rente, 3,6 Prozent pro Jahr des vorzeitigen Rentenbeginns. Deshalb darf die „Rente mit 67“ unter heutigen Arbeitsmarktbedingungen nicht starten. Sie würde das Problem der Altersarmut verschärfen. Autorin: Ulrike Mascher *** Eine Kopfpauschale durch die Hintertür VdK kritisiert steigende Zusatzbeiträge und Aushebelung des Solidarprinzips Die geplante Gesundheitsreform der schwarz-gelben Koalition stößt beim Sozialverband VdK Deutschland auf scharfe Kritik. „Das bereits bestehende soziale Ungleichgewicht wird sich vergrößern“, warnt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Pauschale Zusatzbeiträge gingen einzig und allein zulasten von Arbeitnehmern und Rentnern. Damit werde das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung infrage gestellt. Sollte die Reform zum Gesetz erhoben werden, steigt ab Januar 2011 nicht nur der allgemeine Beitragssatz von derzeit 14,9 auf 15,5 Prozent. Die Krankenkassen können dann auch pauschale, vom Einkommen unabhängige Zusatzbeiträge erheben. Das sei beispielsweise der Fall, wenn Ausgaben nicht mehr durch Einnahmen gedeckt werden können. Bislang durften die Kassen maximal ein Prozent des Bruttoeinkommens, höchstens 37,50 Euro im Monat, extra verlangen. Die meisten Kassen fordern bisher acht Euro. Ungerechte Belastung Künftig darf eine Kasse Zusatzbeiträge in unbegrenzter Höhe erheben – 30, 40 oder 50 Euro sind denkbar. Laut Prognose des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) soll der durchschnittliche Beitrag bis 2014 nicht über ­einem monatlichen Betrag von 16 Euro liegen. Ein Sozialausgleich ist erst vorgesehen, wenn der vom Bundesversicherungsamt ermittelte durchschnittliche Zusatzbeitrag zwei Prozent des ­monatlichen Bruttoeinkommens übersteigt. „Der geplante Zusatzbeitrag wirkt sich besonders drastisch bei den Beziehern mittlerer und niedriger Einkommen und bei den Rentnern aus“, kritisiert Ulrike Mascher. Damit würden ausgerechnet diejenigen Menschen, die sinkende Löhne und Renten-Nullrunden hinnehmen mussten, überproportional belastet. Dieser gesundheitspolitische Kurs werde die Altersarmut noch verschärfen. Schon jetzt gebe es viele ältere Menschen, die von ihrer niedrigen Rente die Mittel für diverse Zuzahlungen bei Medikamenten, Brillen, Zahnersatz, physiotherapeutischen und ärztlichen Leistungen nicht aufbringen können. „Das bedeutet eine verschärfte Fortsetzung der bisherigen Kürzungspolitik“, so die VdK-Präsidentin. Der Sozialausgleich verdiene das Etikett „gerecht“ nicht. Die Regierung sei dabei, das Solidarprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung immer weiter auszuhebeln. „Einkommensunabhängige Zusatzbeiträge sind eine Kopfpauschale durch die Hintertür“, stellt die VdK-Präsidentin fest. Ebenso sei das geplante Einfrieren des Arbeitgeberanteils auf 7,3 Prozent nicht akzeptabel. Der nur vom Arbeitnehmer finanzierte Sonderbeitrag von 0,9 Prozent bleibt erhalten. Künftige Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen müssten allein durch die Zusatzbeiträge der Versicherten ­finanziert werden. Aufgeschobene Probleme Der Sozialverband VdK rechnet damit, dass der Zusatzbeitrag deutlich schneller steigt, als das Bundesgesundheitsministerium voraussagt. Denn die Ausgaben im Gesundheitswesen wachsen weiter. Die wirklichen Probleme seien nur aufgeschoben. Der VdK fordert deshalb, die Beitragsbemessungsgrenze auf die Höhe der Rentenversicherung anzuheben (5500 Euro in den alten und 4650 Euro in den neuen Bundesländern). Zudem sei ein Risikostrukturausgleich zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung längst überfällig. Dies würde rund zehn Milliarden Euro Einnahmen bringen. Außerdem könne der Etat durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel um rund drei Milliarden Euro entlastet werden. „Diejenigen, die im Gesundheitswesen Gewinne machen, sollten stärker an der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung beteiligt werden“, fordert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Autorin: Ines Klut *** Sozialverband VdK verstärkt den Druck auf die Politik Großes Medienecho zu den Themen Gesundheitsreform, Rente mit 67 und Rentengarantie – hier eine Auswahl BR, Münchner Runde 17. August, 20.15 Uhr VdK-Präsidentin Ulrike Mascher live zu Gast im TV-Polit-Talk zum Thema „Rentnerangst: Länger arbeiten und trotzdem arm?“ Süddeutsche Zeitung 12. August „Für Herbst kündigte Mascher eine bundesweite Protestaktion ‚gegen den sozialen Kahlschlag‘ an. ‚Wir werden uns mit aller Macht wehren‘, sagte sie. (…)“ Frankfurter Rundschau 12. August „Zu der Forderung nach einer ,Rente mit 70‘ sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher (...), eine so lange Arbeitszeit käme nur für wenige Berufe infrage (...). Erst müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Menschen bis 67 oder auch länger arbeiten können, so Mascher. (...)“ BILD 12. August „Trotzdem sind Sozialverbände und Gewerkschaften wütend über den Vorstoß zur ,Rente mit 70‘. (…) Ulrike Mascher, Sozialverband VdK: ‚Eine ziemliche Utopie.‘“ ARD, Plusminus 10. August, 21.50 Uhr VdK-Präsidentin Ulrike Mascher kritisierte die „Rente mit 67“ und forderte die Bundesregierung auf, das erhöhte Renteneintrittsalter – wie im Gesetz festgehalten – ernsthaft zu überprüfen. Süddeutsche Zeitung 27. Juli „Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher: ‚Die Rente ist kein sozialpolitischer Gnadenakt des Staates, sondern der Lohn für die Lebensleistung von 20 Millionen Menschen, die jahrzehntelang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben.‘“ Frankfurter Allgemeine Zeitung 27. Juli „Der Sozialverband VdK Deutschland warnte vor einer Abschaffung der Rentengarantie. Durch die Nullrunden 2010 und 2011 sowie die zu erwartenden Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung werde sich der Wertverlust der Rente fortsetzen. ‚Deswegen brauchen die Rentner die Garantie, dass wenigstens der Zahlbetrag ihrer Altersbezüge nicht gekürzt werden kann‘, meinte Präsidentin Ulrike Mascher.“ AFP-Meldung 26. Juli „Entgegen der Forderung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hält die Bundesregierung an der Rentengarantie fest. Die Forderung Brüderles nach Abschaffung der Rentengarantie ‚steht nicht im Koalitionsvertrag und sie steht damit auch nicht auf der Agenda der Bundesregierung‘, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. (…) Der Sozialverband VdK hatte zuvor ‚erheblichen Widerstand‘ gegen eine Abschaffung der Rentengarantie angekündigt.“ ARD, Tagesschau 26. Juli, 16 und 17 Uhr VdK-Präsidentin Ulrike Mascher kritisierte die Pläne des Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle, die Rentengarantie abzuschaffen. ZDF, WISO 5. Juli, 19.30 Uhr Kritik der VdK-Präsidentin Ulrike Mascher an den Gesundheitsplänen der Bundesregierung. Frankfurter Allgemeine ­Sonntagszeitung, Titelseite 4. Juli „Die Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, beklagte besonders die Folgen für Rentner. ‚Höhere Kassenbeiträge sind schmerzhaft für Rentner (...)‘.“ ZDF, Heute 3. Juli, 19 Uhr Rekordeinschaltquote wegen des WM-Viertelfinales Deutschland-Argentinien, 8,6 Millionen Zuschauer. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher kritisierte die Gesundheitspläne der Bundesregierung und warnte vor weiteren Belastungen der Rentner. Bild, Titelseite 3. Juli VdK-Präsidentin Ulrike Mascher kritisierte die Beitragserhöhung in der gesetzlichen Krankenversicherung, besonders die Folgen für Rentner: „Dadurch wird die Rentennullrunde zur Minusrunde“. ARD, Tagesschau 1. Juli, 17 Uhr Statement der VdK-Präsidentin Ulrike Mascher zum Thema: Was erwartet sich der VdK vom neuen Bundespräsidenten? Sie appellierte an Christian Wulff, sich für Solidarität und sozialen Zusammenhalt einzusetzen und daran mitzuwirken, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich abzubauen. *** Kollege Blaumann wird immer grauer Wie sich der Automobilhersteller BMW auf eine älter werdende Belegschaft einstellt Kaum einer der Männer an den Maschinen hebt den Kopf, wenn eine Gruppe durch die große Fabrikhalle geführt wird. An Besuch ist man in der Gelenkwellenfertigung des BMW-Werks in Landshut gewöhnt. Schließlich baut man hier nicht nur Autos, sondern probt für die Zukunft. Und das wollen heute, wo viel von Demografie geredet, aber nur wenig gehandelt wird, viele sehen. Für den Laien zeigt sich allerdings erst einmal nichts Besonderes. Der erste Eindruck: eine ganz normale Fabrik. Es wird gearbeitet, schnell und konzentriert, begleitet vom Grundton der laufenden Maschinen. Fast 6000 Gelenkwellen verlassen pro Arbeitstag diese Halle. Schwere Arbeit Eine Gelenkwelle muss Motor und Hinterachse stabil und sicher verbinden, sie ist eines der schwers­ten angetriebenen Einzelteile eines Autos. Bisher in harter (Männer-) Arbeit von 200 Mitarbeitern gefertigt, oft sogar über Kopf. In der internen Ergonomiebewertung sind diese Arbeitsplätze deshalb glatt durchgefallen: nur 47 von 100 möglichen Punkten. Das sind Arbeitsbedingungen, die auch kaputt machen können – zumal, wenn man älter wird. „Über 30 Prozent der BMW-Mitarbeiter in Deutschland werden 2017 über 50 Jahre sein“, stellt Sina Hattesohl fest. Die junge Personalerin ist bei BMW dafür zuständig, dass die theoretischen Erkenntnisse der Demografieforschung in den Fabrikhallen ankommen. „Produktionssystem 2017“ heißt das in Landshut seit Anfang des Jahres und greift die Erfahrungen eines erfolgreichen Vorgängerprojekts aus dem Dingolfinger BMW-Werk auf. Ein Arbeits­team, das die Altersstruktur von 2017 abbildet, probiert dort heute schon aus, wovon die Kollegen zukünftig profitieren sollen. Eine sehr freiwillige Testperson ist der 40-jährige Landshuter Michael Lugauer, der schon mehr als sein halbes Leben bei BMW ist. Der Maschinenbauer freut sich, „dass sich was bewegt“. In den speziell für ihn angepassten Arbeitsschuhen steht er auf einem Holz- statt auf dem harten Hallenboden. In den Arbeits­pausen macht er Ausgleichsgymnastik. Innerhalb des Teams rotieren die Arbeitsplätze, „damit man nicht immer die gleichen Handgriffe macht“. Das schwere Produktionsmaterial lässt er sich von einem Hubgerät in Griffhöhe heben. Und auch der Roboter ist jetzt Freund und Helfer geworden: „Früher hat er geschraubt, und wir haben die schweren Gelenkwellen getragen, jetzt ist es umgekehrt.“ Die Idee dazu haben er und seine Kollegen gemeinsam entwickelt. Jeden Freitag treffen sich Mitarbeiter und Führungskräfte, um die Produktion noch weiter zu optimieren. In einer Kartonagensimulation haben sie den Produktionsabschnitt mit Kartons nachgebaut und tüfteln mit heißen Ohren und kühlem Kopf an Einzelschritten. Wie können Schraubteile aussehen, so dass man nur ein einziges Werkzeug braucht? Wie muss die Gelenkwelle hängen, damit Rumpfdrehungen unnötig werden? Die Führungskräfte staunen oft, welche Talente in ihren altgedienten Mitarbeitern stecken. Das Unternehmen profitiert hier sehr konkret von der Erfahrung der Älteren. „Wir schätzen an ihnen das große betriebsspezifische Wissen, die Urteilsfähigkeit, ihre hohe Zuverlässigkeit und Loyalität sowie das Qualitäts- und Pflichtbewusstsein“, so Personalerin Hattesohl, „diesen Schatz müssen wir so lange wie möglich arbeits- und leistungsfähig erhalten.“ Längst nicht alle Unternehmen handeln so vorausschauend wie BMW. Wer als älterer Mitarbeiter Verschleißerscheinungen zeigt, wird in den meisten Firmen frühzeitig aus dem Job gedrängt. Man setzt auf die Jungen und endet damit langfristig in einer Sackgasse. Denn der Nachwuchs wird immer rarer. Nach Zahlen der Deutschen Indus­trie- und Handelskammer (DIHK) hat sich etwa in Leipzig – ebenfalls einem BMW-Standort – die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz zwischen 2004 und 2009 glatt halbiert. Schätzungsweise 50 000 Ausbildungsplätze sind laut DIHK bundesweit 2009 unbesetzt geblieben. Auch wenn im Moment die großen Industrieunternehmen noch weniger Nachwuchssorgen haben, spü­ren kleinere und mittlere Betriebe sehr deutlich, dass die Babyboomjahre schon lange Geschichte sind. Über kurz oder lang wird der Fachkräftemangel aber auch in den großen Betrieben ankommen. Wer die Älteren fördert, hat künftig deshalb Wettbewerbsvorteile. Neue Motivation Wirtschaftliche Erwägungen und die Sorge um die Konkurrenzfähigkeit haben bei BMW also zu einer alternsbewussten Unternehmenspolitik geführt. Vom Schwung der alten Hasen profitiert der bayerische Automobilhersteller schon heute, wie der Leiter der Fertigung Gelenkwelle, Maximilian Hauk, zufrieden feststellt: „Die Produktivität pro Mitarbeiter im Projekt 2017 hat sich sogar erhöht.“ Meister Johann Wenzl, der mit seinen 60 Jahren noch kurz vor dem Ruhestand das neue Projekt mit aus der Taufe gehoben hat, wundert das nicht: „Neue Motivation“ spüre er in seinem Team, schwärmt er, offensichtlich stolz auf seine Jungs. Die kriegen von oben gleich noch ein Sternchen: Die sogenannte „Ablieferqualität“ lässt sich nämlich schier nicht mehr steigern. Die Statistik weist „null Fehler“ aus. „Wir werden unseren Unternehmenserfolg mit einer älteren Belegschaft erzielen“, heißt es selbstbewusst aus der BMW-Führungsetage. Deshalb zieht das Projekt „2017“ jetzt in allen deutschen Produktionsstandorten des Autoherstellers ein. Und weil die Arbeit in der Fabrikhalle dank Michael Lugauer und seiner Kollegen nicht mehr nur was für die harten Jungs ist, wird es mehr Frauen zwischen den Blau­männern geben. Jeder dritte Indus­trie-Ausbildungsplatz ist bei BMW bald weiblich. Auch so will man dem Fachkräftemangel entgehen. Info: arbeit 50plus Das Erwerbspersonenpotenzial der über 50-Jährigen beträgt – gemessen an der Gesamtbevölkerung – 25 Prozent und wird in den nächsten Jahren noch steigen. Trotz Fachkräftemangel wird bisher kaum auf das Erfahrungswissen dieser Bevölkerungsgruppe zurückgegriffen. Fast jeder dritte Arbeitslose ist über 50 Jahre alt. Die Arbeitslosenquote ist zwar leicht gesunken, doch der Rückgang ist nur der Gruppe der 50- bis 55-Jährigen zu verdanken. Nur ein Fünftel der 60-jährigen Arbeitslosen schafft den Sprung zurück in die Erwerbstätigkeit, von den 64-jäh­rigen sind es nicht einmal zehn Prozent. Auch der Trend zur Langzeitarbeitslosigkeit unter den Älteren hält an. Im Juni 2010 waren 42,6 Prozent länger als ein Jahr ohne Job. Fast die Hälfte aller Älteren verabschiedet sich aus der Arbeitslosigkeit in die „Nicht­erwerbstätigkeit“, also oft in einen Lebensabend mit hohen Rentenabschlägen. Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen liegt mit 51,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 44,7 Prozent. Von Quoten wie in Schweden (70 Prozent), Norwegen (69 Prozent) oder Dänemark (59 Prozent) ist man aber noch weit entfernt. bsc *** Wie Schwerhörige zu ihrem Recht kommen Gesetzliche Krankenkassen müssen Hörgeräte bezahlen – Sozialverband VdK hilft bei der Antragstellung Das Urteil des Bundessozial­gerichts (BSG) vom Dezember vergangenen Jahres (Az.: B3KR 20/08) stärkt die Rechte von Schwerhörigen. Demnach muss eine gesetzliche Krankenkasse den Versicherten bei entsprechender Indikation ein Hörgerät in vollem Umfang erstatten. Doch in der Praxis ist es für ­Betroffene oft nicht leicht, zu ­ihrem Recht zu kommen. Der VdK zeigt auf, was Patienten ­beachten sollten. Etwa 13 Millionen Deutsche hören schlecht. Doch nur rund zweieinhalb Millionen tragen ein Hörgerät, Tendenz steigend. Bisher bekamen Patienten, die ein Hörgerät brauchen, nur einen Festbetrag von ihrer Krankenkasse erstattet. Einen Großteil mussten sie aus eigener Tasche zahlen, nach Berechnungen des Deutschen Schwerhörigenbundes im Durchschnitt mehr als 1000 Euro pro Gerät. Für schwer Hörgeschädigte bringen gerade digitale Hörgeräte viele Vorteile. Sie können bestimmte Frequenzen filtern oder verstärken und Umgebungsgeräusche mindern. Bürokratische Hürden überwinden Doch auch mit dem stärkenden Gerichtsurteil im Rücken müssen Betroffene oft einige bürokratische Hürden nehmen, um ihr Recht durchzusetzen. „Nur wer überzeugend darlegen kann, dass kein Hörgerät zum Festbetrag für den Ausgleich der individuellen Hörschädigung ausreicht, hat in der Auseinandersetzung mit der Krankenkasse eine Chance auf eine volle Übernahme der Kosten“, so Jens Kaffenberger, stellvertretender Bundesgeschäftsführer und Gesundheitsexperte des Sozialverbands VdK. Er rät Betroffenen, sich schriftlich von ihrem behandelnden HNO-Arzt beziehungsweise Hörgeräteakustiker bestätigen zu lassen, warum nur das ausgewählte Modell geeignet ist. An erster Stelle stehe jedoch die Untersuchung beim HNO-Arzt, der den Grad der Schwerhörigkeit feststellt. „Man sollte den Arzt um ein Attest bitten, aus dem der Grad der Schwerhörigkeit sowie die Gründe für die Notwendigkeit der Verordnung eines Hörgerätes hervorgehen“, rät der VdK-Gesundheitsexperte weiter. Der Arzt könne auf Bitte des Patienten dem Attest auch eine Empfehlung für besonders geeignete Hörgeräte beifügen. Beides erleichtere dem Patienten das weitere Antragsverfahren. Darüber hinaus könne ein Hörtagebuch helfen, die eigene Posi­tion zu untermauern. Darin halten Schwerhörige während der Testphase mit unterschiedlichen Geräten fest, in welchen Situationen sie mit einem Modell gut hören können und wann es ihnen nicht weiterhilft. Hörtagebücher gibt es beim Hörgeräteakustiker, der nach dem Ende der Anpassungstests auch einen Kostenvoranschlag erstellt. „Unterschreiben Sie keine Verzichtserklärung“, rät Kaffenberger weiter. Beim Hörgeräteakustiker würden Patienten aufgefordert, ihre Zustimmung zu geben, dass sie sich freiwillig für ein Hörgerät entschieden haben, auch wenn es über dem Festbetrag der Krankenkasse liegt. Besser sei es, zu untermauern, das Gerät nur „unter Vorbehalt“ aus eigener Tasche zu bezahlen und das Geld später von der Krankenkasse zurückzufordern. Versicherter kann Frist setzen „Kaufen Sie niemals ein Hörgerät, ohne vorab einen schriftlichen Antrag bei der Krankenkasse gestellt zu haben“, betont Kaffenberger. Sollte die Krankenkasse die Entscheidung verzögern, könne der Versicherte eine Frist setzen und nach deren Ablauf das Hörgerät kaufen und die Erstattung einfordern. Wichtig: Man trage bis zur endgültigen juristischen Entscheidung über seinen Anspruch auch das Kostenrisiko. Lehne die Kasse den Antrag auf Kostenübernahme ab, könne innerhalb eines Monats formlos und schriftlich Widerspruch eingelegt werden. Dem Widerspruch werde das Attest des HNO-Arztes, der Anpassungstest des Hörgeräteakustikers und das Hörtagebuch beigefügt. „Außerdem kann der Patient seine Kasse um die Erstellung eines Gutachtens durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) bitten. Die Kasse sei verpflichtet, den Antrag auch medizinisch zu prüfen, bevor sie ihn endgültig ablehnt. „Sollte der Widerspruch nicht erfolgreich sein, können VdK-Mitglieder kostenlos den Rechtsbeistand der VdK-Juristen in Anspruch nehmen“, so Jens Kaffenberger. Autorinnen: Ines Klut/Katja Kracke Info: Anträge im Internet abrufbar Im Internet stehen unter www.vdk.de/de23796 Musteranträge zum Herunterladen zur Verfü­gung: - Antrag auf Kostenerstattung für ein selbst beschafftes bedarfs­gerechtes Hörgerät - Erstantrag für ein bedarfs­gerechtes Hörgerät - Widerspruch bei erfolgter Ablehnung des Antrags auf ein bedarfsgerechtes Hörgerät *** Hilfsmittel: Kleiner Knopf im Ohr mit großer Wirkung Immer lautloser wird die Welt für Menschen mit Hörminderung – jahrelang. Bevor sie sich entschließen, ein Hörgerät zu tragen, vergehen durchschnittlich zehn Jahre. Kein anderes Hilfsmittel hat so ein schlechtes Image wie der hilfreiche Knopf im Ohr. Rollstuhl, Krücken, Blindenstock und auch eine Brille zeigen deutlich nach außen: Dieser Mensch hat ein Handicap. Während eine Brille als modisches Accessoire akzeptiert ist, wird ausgerechnet das vergleichsweise unauffällige Hörgerät unter allen Hilfsmitteln am meisten abgelehnt. Kein anderes wird so stark mit Alter und Gebrechen assoziiert. Doch die Gleichung „alt = schwerhörig“ geht nicht auf. Nur ein Drittel der rund 13 Millionen Menschen mit Hörminderung sind in Deutschland nämlich schon im Rentenalter. Winzige Wunderwerke Das schlechte Image der Hörgeräte hat fatale Folgen: Bei Menschen, die jahrelang ihre Schwerhörigkeit unbehandelt lassen, verkümmern die Teile des Gehirns, die für das Sprachverständnis zuständig sind. Betroffene leiden außerdem häufiger unter familiären Spannungen, Isolation, psychischen Problemen und Einschränkungen im Erwerbsleben. Nur wenige Prominente bekennen sich zu ihrer Schwerhörigkeit, etwa der Schauspieler Mario Adorf oder der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Die Vorbehalte gegen diese winzigen technischen Wunderwerke sind tatsächlich kaum zu verstehen. Schließlich sind diese leistungsstark, verschwinden kaum sichtbar hinterm Ohr oder werden implantiert. Bei leichteren Ausprägungen der Hörminderung können sie manchmal sogar die Hörfähigkeit wieder regenerieren. Schwerhörigkeit erkennen Hörverlust ist meist ein schleichender Prozess. Die Betroffenen selber merken oft viel weniger davon, doch Angehörige und Freunde sollten aufmerksam sein, wenn der Fernseher immer lauter gestellt wird, ein Telefongespräch wegen Nachfragen und Missverständnissen sehr anstrengt oder sich jemand zunehmend aus Gesprächen in der Gruppe heraushält. Wer bei sich eine beginnende Schwerhörigkeit vermutet, sollte den Weg zum HNO-Arzt und Hörgeräteakustiker deshalb nicht scheuen. In der Anpassungszeit braucht man allerdings Geduld. Wenn manche Menschen jahrelang nicht richtig gehört haben, sind sie anfangs von den vermeintlich lauten und vielfältigen Höreindrücken überfordert. Doch diese erste Durststrecke lohnt sich zu überstehen, um endlich wieder Kinderlachen, Vogelgezwitscher und Meeresrauschen zu hören. Hörgeräteträger haben außerdem einen unschätzbaren Vorteil: Jedes Gerät lässt sich abschalten – und die laute Welt bleibt auf Wunsch auch mal draußen. Autorin: bsc *** Interview: „Keiner muss Angst um seinen Notgroschen haben“ „Finanztest“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen rät Sparern und Kleinanlegern, einen kühlen Kopf zu bewahren Die deutsche Wirtschaft wächst wieder. Doch die Menschen sind verunsichtert. Sie haben Angst, ihr Erspartes zu verlieren. Wer noch etwas übrig hat, fragt sich, wie er sein Geld möglichst sicher und gewinnbringend anlegen kann. Hermann-Josef Tenhagen (47), Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“, hat darauf eine Antwort. Die VdK-Zeitung sprach mit dem renommierten Wirtschaftsjournalisten über die richtige Anlage-Strategie. VdK: Keine Bank scheint mehr sicher vor der Pleite. Müssen Menschen, die zeitlebens gearbeitet und gespart haben, jetzt Angst um ihren Notgroschen haben? Tenhagen: Nein. Sie sollten sich nicht verrückt machen lassen und einen kühlen Kopf bewahren. Um seinen fest angelegten Notgroschen auf dem Sparkonto seiner Bank muss keiner fürchten. Die Einlagen deutscher Sparer sind in hohem Maße durch Sparkassen und Banken selbst abgesichert. Zusätzlich schreibt der Staat vor, dass die Ersparnisse auf Tagesgeld-, Festgeld- oder Girokonten nicht antastbar sind. Künftig soll diese Regel bis zu einem Betrag von 100?000 Euro gelten. VdK: Macht es in diesen unsicheren Zeiten überhaupt Sinn, Geld auf die hohe Kante zu legen? Tenhagen: Das ist eine ganz persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Man sollte sich im Klaren über die eigenen Ansprüche und Ziele im Leben sein und annähernd wissen, wie viel Geld man braucht, um diese zu verwirklichen. VdK: Können Sie eine Geldanlage-Strategie empfehlen? Tenhagen: Ich unterteile Geld, das mir zur Verfügung steht, in drei Kategorien: Alltagsgeld, Altersgeld und Sonntagsgeld. Mit dem ersten Budget, das entweder auf dem Giro- oder dem Tagesgeldkonto am besten aufgehoben ist, muss ich meinen Alltag finanzieren. Und ich sollte auch dann nicht ins teure Dispo kommen, wenn die Waschmaschine mal kaputt geht. Das Altersgeld ist, wie der Name schon sagt, für meine private Altersvorsorge gedacht. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei „Finanztest“ empfehlen wir, darauf zu achten, dass das Angebot eine staatliche Förderung beinhaltet wie bei der Riester-Rente. Das Sonntagsgeld ist Geld, das ich entbehren kann. Davon kann ich mit meinen Kindern Eis essen gehen, eine Reise machen, mir Eigentum zulegen oder in Aktien investieren. Grundsätzlich sollte man sich an die Devise halten: Nicht alle Eier in ein Nest legen. VdK: Sind Aktien auch eine Alternative für kleine Leute? Tenhagen: Wer Aktien kauft oder in einen Fonds investiert, geht immer ein gewisses Risiko ein. Das muss aber nicht generell schlecht sein. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass Aktien immer ein spekulatives Geschäft mit einem Risiko sind. Zweimal im Jahr muss man sich schon mit der Anlage beschäftigen. Wenn es schlecht läuft, sollte man sich nicht gleich aus der Ruhe bringen lassen und in Panik falsche Entscheidungen treffen. VdK: So, wie seine Lebensversicherung zu kündigen? Tenhagen: In der Regel passiert das aus Geldnot und Unkenntnis, ist für den Versicherungsnehmer aber immer ein Verlustgeschäft. VdK: Das Wort Inflation löst bei uns Deutschen historisch bedingt große Unsicherheit aus. Müssen wir Angst haben? Tenhagen: Nein. Wir haben im Moment eine sehr geringe Infla­tion. Und ich sehe mittelfristig auch keine andere Tendenz. Was auf lange Sicht kommt, kann niemand voraussagen. VdK: Viele Leute kaufen Gold, um ihr Geld vor Inflation zu schützen. Ist das eine schlaue Taktik? Tenhagen: Das Anlegen in Gold ist hoch spekulativ und keine sichere Geldanlage. Der Kurs von Gold geht spekulativ rauf und runter. Selbst wenn eine Hyperinflation käme, wäre Gold nicht die beste Währung. Denn Gold kann man nicht essen. VdK: Stiftung Warentest hat die Beratungsleistung von Banken kürzlich unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fiel unbefriedigend aus. Woran erkennt ein Kunde, dass er bei seiner Bank gut aufgehoben ist? Tenhagen: Das lässt sich an drei Dingen festmachen. Ein guter Berater muss einem Löcher in den Bauch fragen, damit er die jeweilige Vermögens- und Lebenssitua­tion kennenlernt. Wenn er gleich ein Produkt verkaufen will, sollte man misstrauisch werden. Wer sein Geld anlegt, sollte genau wissen, was er will und das dem Berater auch deutlich sagen. Grundsätzlich ist es immer ratsam, ­Gespräche bei unterschiedlichen Geldinstituten zu führen. Es macht sich auch gut, in Begleitung zum Bankberater zu gehen. So hat man nicht nur eine zweite Meinung, sondern im Fall des Falles auch einen Zeugen. Interview: Ines Klut *** Menschen mit Behinderung sollen Gebühren zahlen Länder wollen Befreiung für Rundfunk- und Fernsehgeräte aufheben – VdK sieht Benachteiligung Es galt 60 Jahre: Die Befreiung von der Rundfunkgebühr ist ein Nachteilsausgleich für Menschen mit Behinderung. Damit wollen die Bundesländer jetzt brechen. Mit der Neuregelung der Rundfunkgebühren sollen auch Menschen mit Behinderung zur Kasse gebeten werden. Der Sozialverband VdK hat bereits vor der Ministerkonferenz Anfang Juni sein Veto gegen diese Pläne eingelegt. „Viele behinderte Menschen können Informations- und Kulturangebote aufgrund ihrer Behinderung nicht wahrnehmen und sind deshalb auf Fernsehen, Radio und neue Medien als Informationsquelle angewiesen“, betont VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Deshalb müssten sie auch weiterhin von der Rundfunkgebühr befreit bleiben. Es sei die Aufgabe der Länder, ein breit gefächertes, hochwertiges und barrierefreies Angebot durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu gewährleisten und dafür die finanziellen Rahmenbedingungen zu sichern. Dies dürfe jedoch nicht auf Kosten der Menschen mit Behinderung geschehen. Ab 2013 soll jeder Haushalt einen einheitlichen Betrag für ARD und ZDF zahlen, egal wie viele Fernseher, Radios oder Computer vorhanden sind. Die künftige Gebühr soll nicht höher als der bisherige Beitrag von 17,98 Euro im Monat ausfallen. Nur noch Personen, die Grund­sicherungsleistungen in Anspruch nehmen, sollen von der Abgabe ausgenommen werden. Eine Härtefallregelung ist für all jene geplant, die ein Einkommen geringfügig oberhalb der Grundsicherung haben. Menschen mit Behinderung, die über ein Einkommen oberhalb der Grundsicherung verfügen, sollen ­einen ermäßigten Beitrag in Höhe von einem Drittel der Rundfunkgebühr entrichten. Man beruft sich dabei auf ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2000, nach dem „in der Gebührenbefreiung für behinderte Menschen ein Verstoß gegen den gebührenrechtlichen Grundsatz der verhältnismäßigen Gleichbehandlung aller Nutzer steht“. Die Rundfunkkommission geht davon aus, dass ohnehin ein Großteil der behinderten Menschen, die bisher von der Rundfunkgebühr befreit waren, unter die einkommensabhängige Befreiung fällt. „Diese Entscheidung könnte das Tor zu weiteren Verschlechte­rungen und dem Abbau von ­Nachteilsausgleichen sein“, warnt ­Ulrike Mascher. Der VdK werde sich gegen diese offenkundige Benachteiligung von Menschen mit Behinderung zur Wehr setzen. ikl *** Warum ist der Ziegenpeter eine Krankheit? Der Würzburger Medizinhistoriker Dr. Johannes G. Mayer erklärt die Herkunft und Bedeutung volkstümlicher Bezeichnungen Es sind Fragen wie aus einer Quizshow: Was hat das Huhn mit dem Hühnerauge zu tun? Oder die Mutter mit dem Muttermal? Dr. Johannes G. Mayer, Medizinhistoriker am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg, könnte all das souverän beantworten. Er weiß auch, woher die volkstümlichen, heute teils befremd- lichen Krankheitsnamen wie Schwindsucht, Krätze oder Witwenbuckel kommen. Die VdK-Zeitung machte mit ihm einen Ausflug in die medizinische Volkskunde. „Menschen waren schon immer bestrebt, allem einen möglichst eindeutigen Namen zu geben, und so eben auch den Krankheiten“, sagt Dr. Mayer. Die Schwindsucht (Tuberkulose) machte den Menschen vor 150 Jahren Angst, sie forderte Millionen von Todesopfern. Eines der Symptome war der schnelle Gewichtsverlust: Der Mensch „schwindet“ sozusagen. Das brachte der Krankheit ihren volkstümlichen Namen ein. Interessant ist auch, dass früher der Begriff Sucht generell ein Synonym für Krankheit war. So wurde – ein weiteres Beispiel – die Epilepsie als Fallsucht bezeichnet, weil der Mensch mit Krämpfen am Boden lag. Dr. Mayer erklärt weiter: „Früher gab es auch nicht das Krankenhaus, sondern das Siechenhaus.“ Im Jahr 1819 erschien ein Fachaufsatz, in dem der Begriff Trunksucht erstmals verwendet wurde. Die alte Bedeutung des Wortes Sucht trat mehr und mehr in den Hintergrund. Heute wird der Begriff Sucht in anderer Weise verwendet, so etwa vor allem für Abhängigkeiten von Rauschmitteln: Alkoholsucht, Nikotinsucht, He­roinsucht. Bei Skabies, umgangssprachlich auch Krätze genannt, handelt es sich um eine ansteckende und stark juckende Hautkrankheit. Verursacht wird sie von der Krätzmilbe. Die Tiere sind etwa 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und ernähren sich von Haut- oder Lymphzellen des Menschen. Einige Wochen nach der Ansteckung beginnt das Immunsystem die Milben zu bekämpfen, es kommt zu Entzündungen und allergischen Reaktionen, die sich in starkem Juckreiz äußern. „Man kratzt sich“, erklärt Dr. Mayer, so einfach könne eine Krankheit zu ihrem Namen kommen. Viele Frauen mit Knochenschwund sind leicht zu erkennen, sie gehen stark gebeugt, deshalb wird die Osteoporose, der Knochenschwund, auch Witwenbuckel genannt. Die Krankheit äußert sich bei älteren Frauen häufig mit der Verkrümmung der Brustwirbelsäule. Auch wenn Osteoporose keine reine Frauensache ist, so wird sie bei ihnen doch am ehesten sichtbar. Ländlich geprägter Name Und wie kam das Huhn nun zum Hühnerauge? Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und bezieht sich auf die Ähnlichkeit zu einem Vogelauge. Es ist laut Dr. Mayer „auf jeden Fall von der Landbevölkerung geprägt“. Das Hühnerauge entsteht durch chronischen Druck auf knochennahe Haut, es ist eine meist sehr schmerzhafte Hornschwielenbildung. Eine andere ungewöhnliche Bezeichnung hat die Kinderkrankheit Mumps umgangssprachlich. Sie wird Ziegenpeter genannt. Dr. Mayer kennt hierzu folgende Anekdote: „Ziegenpeter hieß früher ein Frischkäse, der weißlich und aufgeschwollen aussah, deswegen wurde die Krankheit mit dem Ziegenkäse in Verbin­-dung gebracht.“ Verbindung zur Religion Bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) wurde in der Antike und im Mittelalter die Diagnose durch eine Geschmacksprobe des Urins gestellt, denn der Harn von Personen mit Diabetes weist ei­- nen durch Zucker süßlichen Geschmack auf. „Die Urinprobe war früher eine der wichtigsten Diagnoseverfahren“, sagt Dr. Mayer. Sogar Verbindungen von Krankheiten und Religion können hergestellt werden. Die Nervenkrankheit Chorea-Huntington wird volkstümlich immer noch als Veitstanz bezeichnet. Sankt Veit war ein Märtyrer, der in Öl gekocht wurde. Das Zucken der Glieder und der brennende Schmerz der Extremitäten, die Chorea-Huntington-Patienten quälen, ergaben die Verbindung zwischen Sankt Veit und der Erkrankung. „Beim Muttermal dachte man früher, dass es vererbbar ist“, weiß der Medizinhistoriker. Größere Muttermale würden als Leberfleck bezeichnet, weil die Leber eine bräunliche Farbe habe. Auch die Kinderkrankheit Scharlach habe mit der scharlachroten Farbe der Zunge zu tun, die der Erkrankte bekomme. Der Graue Star (Katarakt), eine der häufigsten Ursachen, warum Menschen erblinden, hängt mit der Trübung der Augenlinse zusammen. Das Auge sei starr und nicht mehr so beweglich, sagt Dr. Mayer. Bei einem fortgeschrittenen Katarakt könne man die graue Färbung hinter der Pupille deutlich erkennen. Bei den Windpocken sei die Wortherkunft auch sehr einleuchtend: Der Name kommt von der hohen Ansteckungsfähigkeit dieser Viren. Und dann gibt es noch so auffällige Beschreibungen wie das Bierkutscherherz (ein durch übermäßigen Alkoholkonsum verändertes Herz) oder die Landmannshaut, was eine von der Sonne gegerbte Haut bedeutet. Eine modernere Variante dieser Wortschöpfungen ist der Tennisarm, was gleichzusetzen ist mit einer Sehnenscheidenentzündung, die man sich allerdings nicht nur beim Tennisspielen, sondern auch bei der Computerarbeit zuziehen kann. Autorin: pet *** VdK-TV: Nachteilsausgleiche Vergünstigungen und Erleichterungen für Menschen mit Behinderung Serviceorientiert sind die Beiträge in VdK-TV im September. Insbesondere Menschen mit Behinderung und Senioren stehen im Zentrum der Berichterstattung. Doch der Sozialverband VdK wird auch politisch: Über die geplante Protestaktion im Oktober angesichts der dras­tischen Sparmaßnahmen der Regierung im sozialen Bereich wird sich der Verband lautstark Gehör verschaffen. Menschen mit einer Behinderung sind in ihrem privaten und beruflichen Alltag zahlreichen Nachteilen ausgesetzt. In ganz unterschiedlichen Bereichen können Betroffene daher so genannte Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen, die im wörtlichen Sinne einige der Nachteile und Mehraufwendungen ausgleichen sollen. So gibt es für schwerbehinderte Menschen beispielsweise gesonderte arbeitsrechtliche Regelungen oder bestimmte Steuervergünstigungen. Nicht nur im Straßen-, Bahn- oder Nahverkehr, auch bei den Rundfunkgebühren und in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens können Erleichterungen geltend gemacht werden. VdK-TV berichtet darüber. Ein weiteres Service-Thema informiert speziell über Sonderparkgenehmigungen für Menschen mit Behinderung. Für die Sonderparkgenehmigung, die durch die für den Wohnsitz zuständige Straßenverkehrsbehörde erteilt wird, ist eine Bescheinigung des Versorgungsamtes notwendig, sprich ein Schwerbehindertenausweis. Doch nicht jeder, der einen Schwerbehindertenausweis hat, bekommt auch eine Parkerleichterung. Dafür sind gewisse Behinderungsgrade notwendig, zum Beispiel die Merkzeichen BL und aG. Die Vorgehensweisen werden von VdK-TV erläutert. Für Senioren ist ein Beitrag über das VdK-Geriatriezentrum in Neuburg an der Donau gedreht worden. Von Gesprächen beim Hausarzt bis zum erfolgreichen Abschluss einer geriatrischen Rehabilitation wird das Thema beleuchtet. Darüber hinaus kommt im September VdK-Präsidentin Ulrike Mascher in einem Podcast zu Wort. Sie spricht über die VdK-Protestaktion im Oktober. Hauptbestandteil der Aktion ist eine großflächige Plakatkampagne, mit der die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich angeprangert, die geplante Gesundheitsreform kritisiert und für den Erhalt der Rentengarantie gekämpft wird. Auch das Sparpaket zu Lasten der Schwachen ist für den VdK nicht akzeptabel. Autorin: pet Wie kommt man an einen Parkausweis für Behinderte? Ein Beitrag auf www.vdktv.de informiert über die Voraussetzungen. Foto: Bilderbox Info: Internet-TV Die Redaktion des Videoportals VdK-TV informiert Sie rund um die Uhr zu wichtigen topaktuellen sozialen, sozialpolitischen und rechtlichen Themen. In der folgenden Übersicht finden Sie die Termine der Erst­ausstrahlung der Sendebeiträge. Ab dem jeweils aufgeführten Datum sind die Filme unter der Internetadresse www.vdktv.de beliebig oft und zu jeder Zeit abrufbar: 6. September: Aktuell: Podcast von VdK-Präsidentin Ulrike Mascher zur Protestaktion des Sozialverbands VdK im Oktober. 13. September: Nachteilsausgleiche: Wo Erleichterungen für Menschen mit Behinderung geltend gemacht werden können. 20. September: Geriatrische Rehabilitation: Zu Gast im VdK-Geriatriezentrum Neuburg an der Donau. 27. September: Sonderparkgenehmigung: Wege zum Parkausweis für Behinderte. *** Neues aus Reha und Pflege Fachmesse Rehacare beginnt am 6. Oktober Einen Überblick über Neuheiten und Weiterentwicklungen für Rehabilitation und Pflege will die Fachmesse Rehacare in Düsseldorf bieten. 800 Aussteller aus 25 Ländern präsentieren vom 6. bis 9. Oktober in den Hallen 3 bis 7 und 7 a des Düsseldorfer Messegeländes Mobilitäts- und Alltagshilfen, Hilfsmittel für ambulante und stationäre Pflege, Kommunikationstechnik, alters- und behindertengerechte Wohnwelten, aber auch Ideen für Freizeit, Reise und Sport. Der Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen ist wieder in Halle 3 mit ­einem umfangreichen Angebot an Informationen und Beratungen am Stand mit der Nummer 3F88 vertreten. Wie generationenübergreifend gebaut und gewohnt werden kann, veranschaulicht eine Musterwohnung in Halle 3. Der Rehacare-Kongress „Selbstbestimmt Wohnen und Pflegen zu Hause – von der Vision zur Realität“ setzt sich am 6. und 7. Oktober mit Wohn- und Betreuungsformen, Produkten sowie Dienstleistungen und Assistenzsystemen auseinander. Wer sich auf der Fachmesse weiterbilden will, kann zwischen zahlreichen Vorträgen, Workshops und Seminaren wählen. Autorin: sko Der VdK ist mit Stand 3F88 in Halle 3 vertreten. Info: Rehacare 6. bis 9. Oktober, geöffnet mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr; ­Eintritt zwölf Euro, Behinderte, Schüler, Auszubildende und ­Studenten sieben Euro; für die Begleitung mit Ausweiskennzeichen B und H ist der Eintritt frei. Mehr Informationen unter www.rehacare.de *** „Gemeinschaft leben“ sensibilisiert Welt-Alzheimertag am 21. September mit vielfältigen Aktionen Der Welt-Alzheimertag am 21. September steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinschaft leben“. Mit unterschied­lichen Veranstaltungen wird auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam gemacht. In Deutschland leiden derzeit 1,2 Millionen Menschen an Demenz, rund zwei Drittel mit der Diagnose Alzheimer. Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft könnte die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 auf 2,6 Millionen anwachsen, sofern bis dahin kein Durchbruch in der Therapie erfolgt. Verlust von Nervenzellen Die Alzheimer-Krankheit wird durch fehlerhafte Stoffwechselvorgänge hervorgerufen und führt zu einem langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen. Betroffen sind vor allem Regionen des Gehirns, die für das Gedächtnis und die Denkfähigkeit wichtig sind. Wie Hirnforscher der Universität Leipzig jetzt herausfanden, könnte die Alzheimer-Krankheit bereits angeboren sein. Demnach soll schon im Mutterleib das Gehirn des ungeborenen Kindes in seiner Entwicklung gestört sein, die Krankheit aber erst im Alter zum Ausbruch kommen. Seit 16 Jahren stehen zum Welt-Alzheimertag am 21. September Kranke und ihre Angehörigen im öffentlichen Interesse. Mit Vorträgen, Lesungen, Konzerten und Theateraufführungen soll auf die Situation dieser Menschen aufmerksam gemacht werden. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich dafür ein, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern. Ziel sei ­eine Gesellschaft, in der jeder Einzelne mit seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit und nicht über seine Defizite wahrgenommen wird. Alle Veranstaltungen am Welt-Alzheimertag in Deutschland sind im Internet unter www.deutsche-alzheimer.de zusammengefasst. Informationen gibt es auch tele­fonisch unter (0?30) 25?93?79?50. Autorin: ikl