
"Rentenplus gleicht Inflation nicht aus"
Mittwoch, 18.04.2012
"Es gibt keinen Grund zur Euphorie", so kommentierte die
Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Ulrike
Mascher, die heute im Kabinett verabschiedete Rentenanpassung in
Höhe von 2,18 Prozent im Westen und 2,26 Prozent im Osten zum
1. Juli 2012.
Die Erhöhung der Altersbezüge für die 20 Millionen
Rentnerinnen und Rentner könne längst nicht die Verluste
wettmachen, die seit der teilweisen Entkoppelung der Renten von der
Lohnentwicklung entstanden seien. Mascher: "Seit 2004 haben die
Rentner einen Kaufkraftverlust von fast 9 Prozent hinnehmen
müssen. Hinzu kommt, dass die aktuelle Rentenerhöhung
nicht einmal die Inflation von derzeit 2,3 Prozent ausgleicht, das
heißt, die Rentner müssen real schon wieder etwas
drauflegen." So hätten die Rentner in den Jahren 2004, 2005,
2006 und 2010 Nullrunden hinnehmen müssen und außer im
Jahr 2009 keine nennenswerten Steigerungen bekommen.
Für die Durchschnittsrentner bedeutet diese Anhebung ab 1.
Juli 2012:
Männer (West) erhalten durchschnittlich rund 21 Euro mehr, sie
steigern ihre Rente also von durchschnittlich 963 auf 984 Euro.
Frauen (West) erhalten durchschnittlich rund 11 Euro mehr, sie
steigern ihre Rente also von durchschnittlich 502 auf 513 Euro.
Männer (Ost) erhalten durchschnittlich rund 23 Euro mehr, sie
steigern ihre Rente also von durchschnittlich 1010 auf 1033
Euro.
Frauen (Ost) erhalten durchschnittlich rund 16 Euro mehr, sie
steigern ihre Rente also von durchschnittlich 703 auf 719 Euro.
Mascher wies darauf hin, dass Ältere von den Preissteigerungen
für Lebensmittel und bei den Energiekosten besonders betroffen
sind. Auch die Ausgaben für die Gesundheit, die aus eigener
Tasche bezahlt werden müssen, schmälern bei Rentnern das
Budget mehr als bei anderen. "Dass auf der anderen Seite Handys und
Computer billiger geworden sind, hilft den Rentnerinnen und
Rentnern wenig", erklärte Mascher. Deshalb forderte sie die
Abschaffung der dämpfenden Faktoren bei der Rentenanpassung
wie etwa des Riesterfaktors.
Die Gefahr der Altersarmut sieht die VdK-Präsidentin auch
angesichts der aktuellen Rentenerhöhung längst nicht
gebannt: "Jeder Vierte arbeitet für einen Niedriglohn, diese
Menschen können aufgrund geringer Einkünfte ohnehin nur
wenig in die Rentenkasse einzahlen, erwirtschaften also von
Vornherein nur niedrige Rentenansprüche. Gleichzeitig sinkt
das Rentenniveau, derzeit liegt es bei 52 Prozent, bis 2030 soll es
auf 43 Prozent absinken. Da ist Altersarmut auf breiter Front
vorprogrammiert." (Michael Pausder)
Mittwoch, 18.01.2012
VdK-Präsidentin Mascher: Endlich neuen
Pflegebedürftigkeitsbegriff umsetzen
18.01.2012 - "Auch wenn bei den Leistungen für Demenzkranke
jetzt offenbar nachgebessert werden soll - das reicht noch lange
nicht aus". Das erklärte die Präsidentin des
Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, anlässlich von
Medienberichten, nach denen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr
die Leistungen der Pflegeversicherung für eine halbe Million
Demenzkranke anheben will. "An der grundsätzlichen
Benachteiligung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen
im System der Pflegeversicherung ändert dieser Vorstoß
nichts."
"Wir fordern, dass der bereits 2009 von einem Beirat vorgeschlagene
neue Pflegebedürftigkeitsbegriff endlich auf den Weg gebracht
wird. Dieser umfasst fünf statt der heutigen drei Pflegestufen
und berücksichtigt neben körperlichen auch
seelisch-geistige Beeinträchtigungen. Würde diese
Einteilung angewandt, hätten schon heute viele Demenzpatienten
und deren pflegenden Angehörigen Zugang zu Leistungen aus der
gesetzlichen Pflegeversicherung", so Mascher. Derzeit haben von
vier Millionen Menschen, die zu Hause gepflegt werden, 2,5
Millionen, darunter viele Demenzkranke, keine Pflegestufe und
erhalten somit auch kein Pflegegeld aus der Pflegeversicherung.
"Ohne Pflegestufe gibt es für die pflegenden Angehörigen
von Demenzkranken auch keine Entlastungsangebote wie Verhinderungs-
und Kurzzeitpflege. Dabei sind sie häufig rund um die Uhr -
oft genug zum Nulltarif - im Einsatz", so Mascher.
Um pflegenden Angehörigen spürbar zu helfen, müssen
die lange versprochenen Zusagen für eine inhaltliche
Neuausrichtung der Pflege sowie die Besserstellung von
Demenzkranken und pflegenden Angehörigen eingehalten werden
und eine solidarisch finanzierte Pflegereform auf den Weg gebracht
werden. "Es ist bereits viel zu viel Zeit verstrichen,
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen können nicht
länger warten", betonte Mascher. (Michael Pausder)

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