26. Juni 2019
VdK-Zeitung Archiv

Kleinwüchsiges Model mit Herz für Senioren

Resi Herold überwindet fast jede Barriere und arbeitet mit Leidenschaft in einem oberfränkischen Pflegeheim

VdK-Mitglied Resi Herold ist eine von etwa 100.000 kleinwüchsigen Menschen in Deutschland. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße stößt sie im Alltag immer wieder auf Barrieren. Doch die meisten Hindernisse überwindet sie, auch im Berufsleben. Sie arbeitet in einem Seniorenheim und als Model.

Resi Herold (rechts) mit einer Heimbewohnerin und ihrem Vorgesetzten Alexander Hartmann. | © Sebastian Heise

Wenn Resi Herold mit ihrem italienischen Kleinwagen zur Arbeit fährt, merkt niemand, dass sie kleinwüchsig ist. Erst beim Aussteigen sieht man, dass sie nur 1,20 Meter groß ist. Ihr Auto ist für die 24-jährige Oberfränkin „das wichtigste Hilfsmittel“ in ihrem abwechslungsreichen Berufs- und Privatleben. Denn Resi Herold ist viel auf Achse. Im Hauptberuf arbeitet sie im Seniorenheim Lutherstift im oberfränkischen Oberkotzau, und nebenbei jobbt sie als Model. In ihrer Freizeit ist sie viel unterwegs, geht gerne auf Festivals. Ihr Elan wird gleich deutlich, wenn sie neben einem läuft.

Trotz ihrer kurzen Beine schreitet sie flott durch die Gänge des Seniorenheims. „Ich mache zwei Schritte, wenn große Menschen einen machen“, sagt Resi Herold. Mit ihrem Schwung und ihrer fröhlichen Art reißt sie die Menschen mit. Nicht nur deswegen mögen sie die Senioren im Heim so gerne. Ihre Körpergröße habe in ihrem Beruf große Vorteile, meint sie. Viele der Bewohner sitzen im Rollstuhl. „Da kann ich mich mit den Menschen auf Augenhöhe unterhalten.“ Resi Herold kann alle wesentlichen Aufgaben bewältigen, zum Beispiel Rollstuhl schieben und Tisch decken. Das Geschirr haben sie in der Küche in ihrer Abteilung einfach in die unteren Schränke geräumt, sodass sie an alles herankommt. Resi Herold kennt in Deutschland keine andere kleinwüchsige Mitarbeiterin in einem Pflegeheim.

Sie ist ihrem Arbeitgeber, der Diakonie Hochfranken, dankbar, dass sie ihr diese Stelle gegeben hat. Sie konnte ihre Vorgesetzten allerdings auch von Anfang an überzeugen. Schon bei ihrem Praktikum während der Schulzeit, dem späteren Freiwilligen Sozialen Jahr und der Ausbildung kam Resi Herold so gut an, dass sie fest übernommen wurde. So arbeitet sie nun 30 Stunden in der Woche in der psychosozialen Betreuung. Sie macht mit den Bewohnern Gedächtnisübungen, Biografiearbeit oder spielt mit ihnen Bingo.

Heimleiter Günter Konopka schätzt Resi Herold sehr. Er lobt ihren „unwahrscheinlichen Einsatzwillen“. Außerdem gehe sie mit ihrer Behinderung „professionell und souverän“ um. Sie selbst fühlt sich im Team „pudelwohl“ und vollkommen anerkannt. Bei der Arbeit vergisst sie, dass sie kleiner ist als alle anderen. Dies wird ihr erst wieder bewusst, wenn sie im Supermarkt bestimmte Waren nicht erreicht, weil sie in einem oberen Regal liegen, oder wenn sie nicht an Geld kommt, weil der Automat unerreichbar ist.

Ihre Bank habe sie sich danach ausgesucht, dass der Geldautomat nicht zu hoch hängt, erzählt sie. Im Alltag stößt sie ständig auf Hindernisse. Ganz selten hadert sie mit ihrer Situation. Meistens ist sie jedoch lebenslustig. Dass dies so ist, liegt sicher auch an ihren Eltern, die sie und ihre ebenfalls kleinwüchsige Zwillingsschwester in der Kindheit „nicht in Watte gepackt haben“, wie Resi Herold erzählt.

Ganz normale Kindheit

Nach der Geburt, als sie erfahren haben, dass ihre Kinder kleinwüchsig sind, mussten sich ihre Eltern zwar „erst einmal fangen“, sagt sie. Die Kleinwüchsigkeit geht auf eine Spontan-Mutation zurück. Aber sie hätten sich relativ schnell darauf eingestellt, berichtet Resi Herold. Sie spricht selbst von einer „ganz normalen Kindheit“, die sie erlebt habe. Sie baute schon früh Selbstbewusstsein auf, war Klassen- und Schülersprecherin in der Montessori-Schule.

Auch heute noch setzt sie sich gerne für andere ein. Die 24-Jährige ist erst vor wenigen Wochen mit großer Zustimmung zum zweiten Mal in den Seniorenbeirat von Oberkotzau gewählt worden. Dort ist sie die mit Abstand Jüngste. Zu ihrem Model-Job hat sie ihr direkter Vorgesetzter, Ergotherapeut Alexander Hartmann, gebracht. Die beiden verstehen sich bestens und sind auch privat viel unterwegs. Bei einem gemeinsamen Ausflug entstand die Idee, dass Resi Herold als Model arbeiten könne.

Resi Herold arbeitet für die Agentur "Misfit Models". Hier wird sie für ein Fotoshooting des VdK geschminkt. | © Sozialverband VdK

Alexander Hartmann recherchierte im Internet und fand unter anderem die Agentur „Misfit Models“. Er schickte für sie eine Bewerbung ab, und gleich am nächsten Tag meldete sich Agenturgründer und -chef Del Keens und lud sie nach Berlin ein. Er war von ihr begeistert und nahm sie in seine Kartei auf. Ihren ersten Model-Job bekam Resi Herold beim Sozialverband VdK. In Nürnberg stand sie mehrere Tage mit jungen und älteren Models vor der Kamera. Dass der VdK der erste Auftraggeber war, freut sie besonders.

Schon seit ihrer Kindheit kennt sie den Verband. Ihre Oma war ehrenamtlich in Oberkotzau aktiv, und so spielte Resi als Mädchen auch schon einen Engel bei der VdK-Weihnachtsfeier. Außerdem half ihr der VdK dabei, dass die gesetzliche Rentenversicherung den Autoumbau mitfinanzierte. Sie modelt sehr gerne. Das merkt man, wenn man sie fotografiert. Mit dem Modeln lernt sie auch andere Städte kennen. Doch es ist und bleibt nur der Nebenjob.

„Ich liebe meinen Beruf“, sagt Resi Herold und meint damit die Beschäftigung im Seniorenheim. „Die Arbeit mit den alten Menschen macht mich glücklich.“ Mit ihren 1,20 Metern genießt Resi Herold, wie sie selbst sagt, „Welpenschutz“. Selbst mit schwierigen Demenz-Patienten kommt sie bestens zurecht. So gab es einen Schlüsselmoment für sie, als sie noch nicht lange im Seniorenheim arbeitete: Ein Alzheimer-Patient, der kaum einen Pfleger an sich heranließ und schon mal um sich schlug, gab ihr die Hand und machte das, was sie ihm sagte.

VdK-TV, das Videoportal des Sozialverbands VdK, hat Resi Herold ebenfalls porträtiert:

„Ich rock‘ mein Leben“: Portrait der Seniorenbetreuerin Resi Herold

Sie nennt sich selbstironisch „die kleinste Betreuungskraft Deutschlands“. Ihr Job in der Altenpflege ist aber nur ein Teil ihres Berufslebens. Resi Herold ist auch Model für eine Agentur, sie hat etwa für den Sozialverband VdK Fotoaufnahmen gemacht. Kein Wunder – schließlich war schon ihre Oma VdK-Mitglied.

Kleinwuchs
Als kleinwüchsig gelten Erwachsene, die kleiner als 1,50 Meter sind. Wie der BundesselbsthilfeVerband Kleinwüchsiger Menschen weiter erläutert, geht man davon aus, dass dies in Deutschland auf etwa 100 000 Menschen zutrifft. Kleinwuchs ist eine Wachstumsstörung, deren Ursachen nur teilweise bekannt sind. www.kleinwuchs.de


Sebastian Heise

Schlagworte Kleinwuchs

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