29. Juni 2017
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Fair bezahlte Arbeit beugt Altersarmut vor

Sozialverband VdK fordert: Die Arbeitsmarktpolitik muss endlich neu ausgerichtet werden

Die Rente ist ein Spiegel des Erwerbslebens. Wer wenig verdient, zahlt wenig in die Rentenkasse ein. Zudem können sich Geringverdiener keine zusätzliche Altersvorsorge leisten. Der Sozialverband VdK fordert eine Arbeitsmarktpolitik, die den Kampf gegen Altersarmut im Blick hat.

© imago/sepp spiegl

Aus Einkommensarmut wird Altersarmut. Deswegen ist nach Auffassung des Sozialverbands VdK eine sozial gerechte Arbeitsmarktpolitik ein zentraler Baustein der Sozialpolitik. Das machte Roland Sing, Vizepräsident des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich eines Spitzengesprächs von Sozialorganisationen und Gewerkschaften mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles deutlich: „Gute Arbeit und faire Löhne sorgen dafür, Armut im Alter zu vermeiden.“

An der Entwicklung der Gehälter in Deutschland lässt sich die größer werdende soziale Kluft deutlich ablesen. Seit Mitte der 1990er-Jahre sinken bei den unteren Einkommensgruppen, und damit bei rund 40 Prozent der Beschäftigten, die Reallöhne. Jeder fünfte Arbeitnehmer arbeitet im Niedriglohnbereich, verdient also weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns. Immer mehr Arbeitnehmer müssen mit Grundsicherungsleistungen aufstocken. Fast 1,2 Millionen der insgesamt 4,3 Millionen erwachsenen Arbeitslosengeld-II-Bezieher sind also gar nicht arbeitslos, sondern brauchen zusätzlich Geld vom Staat, um trotz Anstellung über die Runden zu kommen.

Mini-Jobs und andere Teilzeittätigkeiten, die in Deutschland vor allem für das „Job-Wunder“ der vergangenen Jahre gesorgt haben, werden häufig von Frauen ausgeübt. Auch andere atypische Beschäftigungsformen wie Leih- und Zeitarbeit nehmen immer weiter zu. 3,2 Millionen Jobs waren laut DGB im Jahr 2015 befristet, das entspricht einem Anteil von 9,3 Prozent aller Beschäftigten. Gerade die atypische Beschäftigung erweist sich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oft als Sackgasse ihrer Erwerbsbiografie.

Nach Erhebungen des DGB liegen die Einstiegsgehälter bei befristeten und unbefristeten Jobs zwar anfangs noch gleichauf, doch Menschen in festen Anstellungen ziehen schnell mit höheren Gehältern, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten davon. Insbesondere öffentliche Arbeitgeber sind hier alles andere als vorbildlich: 60 Prozent beträgt der Anteil der Befristungen bei Neuverträgen.

Die niedrigen Arbeitslosenzahlen werden von der jetzigen Bundesregierung gerne als Erfolg ihrer Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik gewertet. Doch der Preis ist nach Ansicht des Sozialverbands VdK sehr hoch: „Es geht nicht nur darum, Menschen in Jobs zu bringen. Die Qualität und die Wertschätzung der Arbeit müssen stimmen. Momentan erkauft sich die Politik das Ziel der Vollbeschäftigung mit einer stetig steigenden Gefahr der Altersarmut für immer mehr Menschen in Deutschland“, warnt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. „Denn wer wenig verdient oder von einer Befristung zur nächsten lebt, zahlt wenig in die Rentenversicherung ein und hat kein Geld für die erforderliche zusätzliche Altersvorsorge übrig“, so Mascher weiter.

Nach Auffassung des Sozialverbands VdK müssen Zeiten mit Niedrigeinkommen aus sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit in der Rentenversicherung aufgewertet werden, damit eine Rente oberhalb der Grundsicherung herauskommt. Die Einführung des Mindestlohns, den auch der VdK gefordert hatte, sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen. „Doch um davon eine armutsfeste Rente erwirtschaften zu können, muss er auf etwa zwölf Euro angehoben werden“, erklärt Ulrike Mascher. Der Sozialverband VdK begrüßt zudem gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie die Pläne der Bundesagentur für Arbeit, für Langzeitarbeitslose staatlich geförderte, sozialversicherungspflichtige Jobs im öffentlichen Bereich zu schaffen.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Arbeitsmarktpolitik | Altersarmut | Rente

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