23. März 2017
VdK-Zeitung Archiv

„Die Geldsorgen schnüren einem die Luft ab“

Krankheit, Erwerbsminderung, Armut: VdK-Mitglied kommt mit kleiner Rente kaum über die Runden

32 Jahre lang hat sie mit ihm zusammengelebt, ihn versorgt, ihn ins Krankenhaus begleitet. Als ihr schwer kranker Lebensgefährte stirbt, steht Margarete Böhm* vor dem Nichts. Witwenrente bekommt sie nicht, nur eine eigene kleine Rente auf Grundsicherungsniveau.

„Soziale Gerechtigkeit sieht für mich anders aus“, richtet sich das 68-jährige VdK-Mitglied an die Politik. „Es kann doch nicht sein, dass die Rente in die Armut führt.“ Margarete Böhm ist eine schöne Frau. Modisch gekleidet, perfekt geschminkt. Was sie durchgemacht hat, dass sie gesundheitlich stark angeschlagen ist und das Geld nur für das Nötigste reicht, sieht man ihr nicht an.

„Die meisten Kleider stammen aus meinem alten Leben oder aus dem Schlussverkauf“, erzählt sie. Das alte Leben in Nordbayern war keines in Saus und Braus, aber ein gutes. Obwohl sie wegen einer Krebserkrankung und Gleichgewichtsstörungen nach einer Operation am Ohr mit 40 Jahren in Erwerbsminderungsrente gehen musste. Obwohl sie ihre pflegebedürftige Mutter und später ihren schwer diabeteskranken Lebensgefährten jahrzehntelang versorgte. „Das war für mich selbstverständlich. Ich war trotz aller Schicksalsschläge glücklich und zufrieden“, sagt sie.

Zu zweit reichte das Geld. Heiraten wollten Margarete Böhm und ihr Partner nicht unbedingt, da beide geschieden waren. Als sich die beiden doch das Jawort geben wollten, war es zu spät. Bei einem seiner vielen Klinikaufenthalte steckte sich ihr Lebensgefährte mit einem Krankenhauskeim an, fiel ins Wachkoma und starb. „Das Aufgebot war schon bestellt“, erzählt die 68-Jährige. „Aber mein Partner wollte warten, bis es ihm besser geht.“

Im Nachhinein weiß sie, dass dies ein Fehler war: keine Ehe, keine Witwenrente. „Das ist doch nicht mehr zeitgemäß!“ Ihre Versuche, vor Gericht eine Witwenrente zu erstreiten, blieben erfolglos. Nach zwei Widersprüchen hatte sie keine Kraft und kein Geld mehr. „Ich hätte bis zum Europäischen Gerichtshof gehen sollen“, sagt Margarete Böhm heute. Sie verweist auf zwei Urteile, die die gesetzlich festgelegte Mindestdauer der Ehe von einem Jahr außer Kraft setzten. „Vielleicht hätte auch ich eine Chance gehabt. Auch ohne Trauschein.“

Leben an der Armutsgrenze

Vor vier Jahren entschied sich das VdK-Mitglied, in Oberbayern neu anzufangen. In der Nähe ihrer Tochter und ihrer drei Enkel. Doch das Leben ohne Partner ist teuer. Von 969 Euro Rente muss sie für 28 Quadratmeter eine Miete von 475 Euro bezahlen, für Versicherungen, Medikamente und Alltägliches aufkommen. „Die ständigen Geldsorgen schnüren einem die Luft ab“, sagt sie. Eine Nachzahlung für Nebenkosten konnte sie nicht stemmen. Der VdK Bayern sprang ein. „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Für Menschen wie Margarete Böhm, deren Rente nicht zum Leben reicht, fordert der VdK in seiner Kampagne zur Bundestagswahl: „Soziale Spaltung stoppen“.

*Name von der Redaktion geändert

Caroline Meyer

Schlagworte Armut | soziale Gerechtigkeit | VdK-Aktion | Soziale Spaltung stoppen

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