29. Oktober 2015
VdK-Zeitung Archiv

Die Altersarmut wird noch größer werden

VdK: Auch höhere Rentenanpassungen können den breiten finanziellen Abstieg nicht verhindern

Das Bundesarbeitsministerium rechnet mit einem Rentenplus zwischen vier und fünf Prozent im kommenden Jahr. Doch dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass für immer mehr Menschen die Rente im Alter nicht reichen wird, warnt der Sozialverband VdK.

© imago/wolterfoto

„Nach den mageren Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre klingt eine Rentenanpassung zwischen vier und fünf Prozent im Juli 2016 tatsächlich nach einer guten Nachricht für die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner“, sagt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, zu den Anfang Oktober veröffentlichten Vorhersagen des Bundesarbeitsministeriums. Dennoch sei Skepsis geboten: „Die Erfahrung zeigt, dass zwischen den Herbstprognosen und den tatsächlichen Rentenerhöhungen im darauf folgenden Sommer oft große Unterschiede liegen – meist nicht zum Vorteil der Rentnerinnen und Rentner.“

Die Gefahr einer weiter um sich greifenden Altersarmut ist nach Ansicht des VdK auch mit höheren Rentenanpassungen nicht gebannt. „Die Neurenten befinden sich seit Jahren im rasanten Sinkflug“, erklärt Mascher. Schuld daran ist das absinkende Rentenniveau. Schon heute liegt es bei 47,7 Prozent, bis zum Jahr 2030 soll es auf 43 Prozent fallen. „Es muss aber mindestens auf 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns angehoben und dort eingefroren werden. Sonst ist auch für einen Durchschnittsverdiener die Einschränkung der Lebensqualität im Alter zu hoch“, fordert Mascher.

Momentan erhält ein Neurentner nach 45 Beitragsjahren weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens der Erwerbstätigen im selben Jahr als gesetzliche Rente ausbezahlt. Diese stellt aber immer noch den größten Anteil der Altersversorgung der Rentnerinnen und Rentner dar. Private Zusatzversicherungen oder betriebliche Altersvorsorge spielen in Deutschland bisher keine tragende Rolle. „Viele schreckt sicherlich ab, dass eine privat erwirtschaftete Altersvorsorge etwa aus Riester-Verträgen voll auf Grundsicherungsleistungen im Alter angerechnet wird“, ist Mascher überzeugt. Besonders in den östlichen Bundesländern stellt die gesetzliche Rentenversicherung für viele die einzige Altersversorgung dar.

Derzeit liegen die Rentenzahlbeträge im Osten zwar noch relativ hoch, aber nach Prognosen der Bertelsmann-Stiftung wird die Situation bald kippen. Viele Menschen konnten nach der Wende wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation am Arbeitsmarkt nicht mehr richtig Fuß fassen. Laut Bertelsmann-Studie bedeutet das, dass beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern die Altersarmutsquote von aktuell 14,7 Prozent für die Gruppe der heute 50- bis 64-Jährigen auf 23,6 Prozent steigen wird. Besonders armutsgefährdet sind heute wie in Zukunft Frauen, Alleinstehende, Geringverdienende und Migranten.

Aktuell bekommen Rentnerinnen nur etwa die Hälfte der Männer-Renten und sind als geschiedene oder verwitwete Alleinstehende am stärksten armutsgefährdet. „Die Rente ist ein Spiegel der Erwerbsbiografie. Wer – wie viele Frauen – wenig, in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Jobs gearbeitet hat, bekommt im Alter leider die Quittung dafür“, sagt Mascher und fügt hinzu: „Alles, was qualifizierte Erwerbstätigkeit fördert und notwendige Familienzeiten für die Rente absichert, ist gut gegen weibliche Altersarmut.“ Sie fordert deshalb unter anderem einen noch stärkeren Ausbau der Kinderbetreuung, damit mehr junge Frauen arbeiten können, sowie höhere Rentenansprüche für Familienpflegezeiten. Derzeit ließen steuerliche Anreize zudem viele Ehefrauen immer noch auf ein eigenes höheres Einkommen verzichten, was Mascher für „nicht mehr zeitgemäß“ hält. Außerdem müssten Frauen verstärkt durch Qualifizierungsmaßnahmen aus dem Niedriglohnbereich geholt werden.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Rente | Altersarmut | Rentenplus | Rentenerhöhung | Rentenanpassung | Altersvorsorge

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