2. Februar 2015
VdK-Zeitung Archiv

Die „Rente mit 70“ geht an der Realität vorbei

Sozialverband VdK erteilt den Forderungen nach einer Anhebung des Rentenalters eine klare Absage

Wieder einmal wird in Deutschland leidenschaftlich über eine generelle Anhebung des Rentenalters debattiert. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher hat für solche Forderungen kein Verständnis, solange sich die Beschäftigungssituation Älterer nicht grundlegend verbessert. „Bevor wir über eine ‚Rente mit 70‘ diskutieren, müssen Ältere am Arbeitsmarkt bessere Chancen bekommen“, sagt Ulrike Mascher

© imago/imagebroker

Zuletzt hatte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, für eine freiwillige „Rente mit 70“ plädiert. Sein Argument: Wenn man mit der „Rente ab 63“ auf der einen Seite flexibel .ist, müsse dies auch in die andere Richtung möglich sein. Die VdK-Präsidentin hält dagegen: „Die abschlagsfreie ‚Rente ab 63‘ ist eingeführt worden, um langjährig Versicherten in oft sehr anstrengenden Berufen einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen. Als Kandidaten für die ‚Rente mit 70‘ gelten eher gut ausgebildete Akademiker oder hochqualifizierte Fachkräfte.“ Und für diese Gruppe sei es auch heute schon oft möglich, freiwillig länger im Job zu bleiben.

Trotz der bekannten Altersentwicklung in Deutschland haben weder die Politik noch die Unternehmen echte Personalstrategien entwickelt. Weiterhin fehlt es in den Betrieben an gezielten Gesundheitsprogrammen, damit Arbeitnehmer überhaupt lange genug gesund bleiben, um bis zum regulären Rentenalter im Beruf voll einsatzfähig zu sein. Die Hälfte aller 60- bis 64-Jährigen hat zwar einen Arbeitsplatz, aber es werden hier alle Beschäftigungsformen wie Teilzeit und Minijobs mitgezählt.

In der Gruppe der 64-Jährigen ist selbst auf Grundlage dieser Datenbasis nur noch jeder Dritte berufstätig. Mascher: „Nicht jeder geht freiwillig vorzeitig in Rente, viele schaffen es einfach nicht, bis zum Ende durchzuhalten. Leider werden sie nun doppelt bestraft: Sie arbeiten oft in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen und verdienen mehr schlecht als recht. Dann gehen sie vorzeitig in Rente und müssen wegen der hohen Abschläge mit einem noch niedrigeren Alterseinkommen leben, als sie erwartet hatten.“ Diese Menschen, fügt sie hinzu, fühlten sich durch Debatten zur „Rente mit 70“ verhöhnt: „Das geht vollkommen an deren Realität vorbei.“ Wer mit über 50 seinen Arbeitsplatz verliert, findet nur schwer wieder einen neuen.

Für viele fängt so der Weg in die Altersarmut an, der mit Langzeitarbeitslosigkeit und Bezug von Grundsicherung für Arbeitsuchende („Hartz IV“) beginnt und mit erzwungener Frühverrentung mit Abschlägen endet. „Die Langzeitarbeitslosigkeit unter Älteren verfestigt sich seit Jahren, sie profitieren überhaupt nicht von der guten Arbeitsmarktlage“, stellt Mascher fest. So liegt die Arbeitslosenquote der über 55-Jährigen seit Jahren deutlich mit ein bis zwei Prozent über dem Durchschnitt. Als 2007 die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre beschlossen wurde, sollte im Gegenzug die Arbeitsmarktlage Älterer verbessert werden. „Dieses Versprechen ist nicht eingelöst worden, immer noch beschäftigen fast 40 Prozent aller Betriebe keinen über 50-Jährigen“, kritisiert Mascher. „Wie vom VdK befürchtet, bedeutet die ‚Rente mit 67‘ für viele ein Rentenkürzungsprogramm.“

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Rente mit 70 | Rente ab 63 | Rentenalter | Renteneintritt | Arbeitsmarkt | Altersentwicklung | Altersarmut | Alterseinkommen | Frühverrentung | Rente mit 67

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