26. November 2014
VdK-Zeitung Archiv

Die Daube und den Gegner im Visier

Das traditionsreiche Stockschießen wird im Winter auf Eis und im Sommer auf Asphalt gespielt

Einen Stock, eine Bahn und ein paar Mitspieler – mehr braucht der Stockschütze nicht, um seiner liebsten Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Stockschießen ist ein Sport mit viel Tradition und gehört in den meisten Orten in Bayern zum gesellschaftlichen Leben dazu.

Der Stock soll möglichst nah an die Daube rutschen. | © Huschke

„Du bist an der frischen Luft, hast den sozialen Kontakt und kannst diesen Sport bis ins hohe Alter betreiben.“ So beschreibt der 77-jährige Ernst Rilke von den Stockschützen des TSV Velden/Vils in Niederbayern die Vorzüge des Stockschießens. Bei dieser Sportart geht es darum, den Stock so nah wie möglich an die Daube, einen Ring aus Hartgummi, heranzubekommen. Im Mannschaftswettbewerb schießen je vier Spieler pro Team. Einer „maßt an“, also eröffnet. Der Gegner hat jeweils die Möglichkeit, die Stöcke der anderen Mannschaft aus dem Zielbereich zu schießen. Wird die Daube verschoben, so markiert sie das neue Ziel.

Treffen und Diskutieren

Stockschießen ist ein Brauchtum mit langer Tradition: Schon seit dem 16. Jahrhundert überbrückten Bauern und Handwerker im Alpenraum auf zugefrorenen Weihern oder Seen so die winterlichen Pausen. VdK-Mitglied Johann Dachs (67) hat schon als Kind den Erwachsenen zugeschaut, wie sie in seinem Heimatdorf Hinterskirchen die Stöcke über das Eis schlittern ließen. Später kam er selbst dazu. Für ihn steht der soziale Aspekt an erster Stelle: Das Treffen und Diskutieren mit den anderen Stockschützen ist ihm wichtig.

Der Rentner spielt aber auch noch regelmäßig und mit Ehrgeiz bei Turnieren mit. So wie er sind viele ehemalige Fußballer nach Verletzungen oder altersbedingt zum Stockschießen gekommen. Jeden Mittwoch von 13 bis 17 Uhr wird vor dem Vereinsheim auf den Asphaltbahnen in Velden geschossen. Die Teams werden eingeteilt. Dann wird in der Fachsprache richtig „gemaßt“ und „angedaubt“. Mit aufmunternden Kommandos feuern die Stockschützen ihre Kollegen an: „Gut schaut er aus“, heißt es dann, wenn der Stock die Daube oder den gegnerischen Stock anvisiert. Beim Kampf um den Sieg sind Strategie und Taktik gefragt – und auch der Teamgeist spielt eine entscheidende Rolle.

Die ersten Vereine in Bayern wurden um 1900 gegründet. Rund 60.000 Eisstockschützen sind derzeit in den 1242 bayerischen Vereinen organisiert, wie der Bayerische Eissport-Verband (BEV) mitteilt. Saison haben die Stockschützen das ganze Jahr – auf Natureis, Kunsteis- oder Asphaltbahnen. Die Regeln des Stockschießens lassen sich grob mit denen von Boccia oder Boule vergleichen. Allerdings hat es auch Ähnlichkeit mit dem „Mensch ärgere dich nicht“. Denn es besteht immer die Möglichkeit, den Gegner kurz vor dem Spielgewinn noch rauszuwerfen.

Mit Gummisohlen aufs Eis

„Der Eisstock besteht aus Stockkörper, Stiel und Laufplatte“, erklärt der Vorsitzende der Veldener Stockschützen, Josef Pfrombeck (67). Auf Eis sind die Laufsohlen des Stocks aus Gummi und auf Asphalt aus Kunststoff. „Die Stöcke werden je nach Belag angepasst“, weiß er. Je weicher die Mischung der Platte, desto langsamer läuft der Stock. Zur Ausrüstung eines Stockschützen gehören vor allem feste Winterschuhe mit einer rutschfesten Gummisohle für das Eis oder stabile Turnschuhe für den Asphalt. Neulingen rät Pfrombeck, das Spiel vor Ort am besten direkt auszuprobieren. So werden die Regeln am schnellsten gelernt.

Auf knapp 30 Turniere gehen die Veldener jedes Jahr. Und wenn sie selbst ein Turnier ausrichten, kommen die Gäste von weit her. „Von Passau bis Garmisch“, sagt Pfrombeck. Voriges Jahr haben die Veldener Stockschützen ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Und seit einigen Jahren steht auch ihr Vereinsheim. Auf dieses sind sie besonders stolz, denn sie haben es mit ihren eigenen Händen erbaut. Der jüngste der Veldener Stockschützen ist Berni Hübl mit 52 Jahren, der älteste ist das 82-jährige Gründungsmitglied Jakob Höfelschweiger.

Auch wenn er nicht mehr selber schießt, so schaut er doch jeden Mittwoch an der Anlage vorbei und genießt das gesellige Beisammensein. Denn hier gibt es immer eine gute Brotzeit, und ab 17 Uhr wird Karten gespielt. Einige über 80-Jährige schießen noch aktiv in der Veldener Mannschaft mit. Der 81 Jahre alte Georg Sallerstorfer ist ein richtiger Tausendsassa. Gut aufgelegt und fit wie ein Turnschuh. Neben dem Stockschießen fährt er noch Ski, geht Bergwandern und regelmäßig in die Gymnastikstunden des TSV Velden.

Sein Spezl Josef Lehrhuber (80) steht ihm in nichts nach. Beide haben seit langem dieselben Hobbys – und dazu gehört eben auch das Stockschießen. „1985 und 1986 hatten die Veldener Stockschützen die größten sportlichen Erfolge“, erzählt Pfrombeck. Damals waren sie in der zweiten Bundesliga angesiedelt, heute schießen sie in der Kreisliga. Doch noch mehr wert als vordere Plätze und Pokale sind für Pfrombeck Geselligkeit, Gemeinschaftssinn und die Freude am Sport. Jeder Mittwochstreff hier ist einfach eine Riesengaudi.

Petra J. Huschke

Schlagworte Stockschießen | Stockschützen | Eisstockschießen | Sport | Freizeitbeschäftigung

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