23. Oktober 2014
VdK-Zeitung Archiv

9. November 1989: historischer Tag für Deutschland

Vor 25 Jahren fiel die Mauer – Meilenstein auf dem Weg zur Wiedervereinigung – VdK sah sich vor „grandioser Aufgabe“

Es war einer der wichtigsten Tage auf dem Weg zur Wiedervereinigung: der 9. November 1989. Die DDR öffnete an diesem Abend die Mauer, die 28 Jahre lang die beiden deutschen Staaten geteilt hatte. Hunderttausende Bürger machten die Nacht zum Tag, strömten zu den Grenzübergängen und feierten die wiedergewonnene Freiheit. Auch für den Sozialverband VdK war dies ein großer Moment.

Eine „grandiose Aufgabe“ stand dem VdK bevor, wie der damalige geschäftsführende VdK-Vizepräsident Ludwig Hönle sagte. Ohne die friedlichen Proteste der damaligen DDR-Bürger und den politischen Wandel, den der Präsident der damaligen Sowjetunion, Michail Gorbatschow, betrieb, wäre der Mauerfall am 9. November 1989 sicher nicht möglich gewesen. Die Führung des DDR-Regimes reagierte auf den wachsenden Druck durch die Massenproteste und die Menschen, die über Ungarn und die Prager Botschaft der Bundesrepublik in den Westen geflohen waren, und beschloss Reiseerleichterungen.

„Das wird ein Knüller“

Aber ob das SED-Regime die Grenzen genau an diesem Tag wirklich öffnen wollte, bleibt eine offene Frage. Bei einer Pressekonferenz in Ost-Berlin sollten die Beschlüsse des Politbüros vorgetragen werden. Egon Krenz, der am 17. Oktober 1989 Erich Honecker als SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzenden der DDR abgelöst hatte, drückte SED-Politbüro- Mitglied Günter Schabowski kurz vor Beginn einen Zettel in die Hand und sagte: „Gib’ das bekannt. Das wird ein Knüller für uns.“ Um was es genau ging, wusste Schabowski nicht, als er den Saal mit den Hunderten Journalisten betrat.

Eine Stunde lang ging es in der Pressekonferenz um vermeintlich Belangloses. Schabowski hob sich den „Knüller“ bis zum Schluss auf. Er las vor: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse – beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Die zuständigen Abteilungen Pass- und Meldewesen der Volkspolizeikreisämter in der DDR sind angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen, ohne dass dafür noch geltende Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen.“ Er schloss mit: „Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehungsweise zu West-Berlin erfolgen.“

Auf Nachfrage eines Journalisten, wann das denn in Kraft trete, sagte Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis …“ Dann machte er eine kurze Pause und sagte: „... ist das sofort, unverzüglich“. Radio und Fernsehen in Ost und West meldeten nur wenige Minuten später, die Grenze zur Bundesrepublik würde geöffnet. Unzählige DDR-Bürger eilten zu den Grenzübergängen. Mit Trabbis, Wartburgs, Fahrrädern oder zu Fuß strömten sie nach West-Berlin und in die übrige Bundesrepublik. Die Bilder von feiernden Menschen auf der Berliner Mauer gingen um die Welt. Steinbrocken wurden aus der Mauer geschlagen.

Am Tag danach, dem 10. November, begannen die DDR-Grenzsoldaten, Mauer und Grenzanlagen abzubauen. Für eine Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin unterbrach Bundeskanzler Helmut Kohl eine Polen-Reise. Er sagte: „Es geht um Deutschland, es geht um Einigkeit und Recht und Freiheit!“ Der damalige geschäftsführende Vizepräsident des Sozialverbands VdK, Ludwig Hönle, schrieb: „Die Berliner Mauer ist durchlässig geworden. Sie hat nur noch Denkmal-Funktion.“ Und: „Das Brandenburger Tor ist aufgestoßen. Es ist nicht mehr Symbol der Trennung und der Unfreiheit, es ist zu neuem Leben erstanden: als Symbol unseres gemeinsamen deutschen Vaterlands.“

Hönle sah den VdK vor einer „grandiosen Aufgabe“. „Auch wir werden als Sozialverband hart gefordert werden, unseren Beitrag zu leisten für den Ausbau und Aufbau sozialer und sozialstaatlicher Strukturen, weil sie das Miteinander in der Zukunft unabdingbar machen.“ Hönle sollte recht behalten: Die beiden deutschen Staaten wuchsen wieder zusammen und haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des VdK aus den alten Bundesländern halfen den Menschen in den neuen Ländern beim Aufbau von VdK-Orts-, Kreis- und Landesverbänden. Seitdem nimmt sich der größte deutsche Sozialverband in 16 Bundesländern der Sorgen der Bürger an und kämpft in ganz Deutschland für mehr soziale Gerechtigkeit.

In zahlreichen Veranstaltungen wird an den Mauerfall vor 25 Jahren erinnert. Zentrum ist natürlich Berlin. Vom 7. bis 9. November wird es auf dem ehemaligen Grenzverlauf – von der Bornholmer Straße bis zur Eastside Gallery – eine „Lichtgrenze“ mit 8000 weißen leuchtenden Ballons geben. Am Brandenburger Tor ist am 9. November ab mittags ein großes Bürgerfest geplant, bei dem der englische Popstar Peter Gabriel, Udo Lindenberg, Clueso, die Fantastischen Vier, Silly, Wolf Biermann und Techno-DJ Paul Kalkbrenner auftreten. Die Fernsehsender präsentieren zahlreiche Sondersendungen, Theaterstücke und Ausstellungen beschäftigen sich ebenfalls mit dem Mauerfall.

Sebastian Heise

Schlagworte Mauerfall | Grenzöffnung | Wiedervereinigung | Ludwig Hönle

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