22. Oktober 2014
VdK-Zeitung Archiv

Vom Kloster zum Bildungszentrum oder Autohaus

Viele Ordensgemeinschaften müssen ihre langjährige Heimat verlassen und die traditionsreichen Gemäuer verkaufen

Mangels Nachwuchs müssen viele Ordensgemeinschaften sich von ihren Klöstern trennen. Oft gelingt es, Käufer zu finden, die die Gebäude im christlichen Sinne weiterführen. Manchmal wird aber auch ein Firmensitz oder Autohaus aus ihnen.

Mehr als 20 Jahre lang lebte Josef Mittermaier als Ordensmann in einem Kloster. Doch dann schied er aus, weil er eine Frau kennen und lieben gelernt hatte. Inzwischen lebt er wieder in Klostergemäuern. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin ist Mittermaier Mieter des ehemaligen Franziskanerklosters im niederbayerischen Eggenfelden.

Nach dem Abschied der Franziskaner stand das Gebäude leer. Zwar nutzten einzelne Gruppen der Pfarreien und Freizeiteinrichtungen sowie die Tafel das ehemalige Kloster, aber es wohnte niemand mehr in den alten Gemäuern – bis die neuen Mieter einzogen. Ihr Konzept der Weiternutzung überzeugte die Gemeinde Eggenfelden: Sie wollen Menschen begleiten, die persönliche Krisen erleben wie Krankheit, Trennung, Verlust oder Trauer, oder die psychologische Beratung, Begleitung und seelsorgerische Unterstützung suchen.

In guter Tradition

Rückzug aus dem Alltag und Ruhe spielen in dem Konzept ebenso eine wichtige Rolle wie der christliche Glaube. Damit stehen die neuen Mieter in guter Tradition des Klosterlebens. Für Franziskaner und andere Orden dürfte dies sicher ein gutes Beispiel für die Weiternutzung eines verwaisten Klosters sein. Denn viele Ordensgemeinschaften müssen ihr Zuhause verlassen, weil immer weniger Menschen sich für ein Leben im Kloster entscheiden. Sie stehen vor dem großen Problem, was aus ihren Gebäuden wird.

„Von einer radikal sich verändernden Situation“ spricht der Direktor der Katholischen Akademie in Bayern, Dr. Florian Schuller. „Es wird nicht möglich sein, dass die Diözesen alle Klostergebäude aufkaufen“, sagt Dr. Schuller. „So viele Bildungshäuser braucht es wirklich nicht.“

Langer Prozess


Für einen Orden ist es kein leichter Schritt, sich von seinem Gebäude zu trennen, wie der Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz, Abt Hermann Josef Kugler, auf einem Forum der Katholischen Akademie in Bayern zum Thema „Klosterbauten ohne Orden“ berichtete. „Aufgrund der emotionalen Bindung der Menschen an ein Kloster geht einer möglichen Auflösung auch ein entsprechend längerer Entscheidungsprozess voran.“ Es würden zahlreiche Gespräche geführt, unter anderem mit dem örtlichen Bischof, bevor der Orden seine angestammte Niederlassung aufgibt.

Weiternutzung

Aber was wird dann aus den verwaisten Klöstern? Dr. Petra Altmann, die Bücher über das Klosterleben schreibt („Atem holen im Kloster“), kennt gute Beispiele der Weiternutzung. Dazu gehört das Kloster Obermarchtal auf der Schwäbischen Alb, das ursprünglich von Benediktinerinnen bewohnt war. „Heute werden die Klostergebäude als Bildungszentrum genutzt.“ Oder das Kloster Polling im Pfaffenwinkel, in dem nur noch wenige Dominikanerinnen leben. In den freien Räumlichkeiten ist ein Hospiz untergebracht.

„Diese Einrichtungen kommen einer breiten Bevölkerung zugute“, sagt Dr. Altmann. Das ursprünglich von Zisterzienserinnen gegründete Kloster Vinnenberg in Warendorf im Bistum Münster hat mittlerweile ein Förderverein übernommen. Dieser hat daraus ein Gästehaus gemacht und bietet dort unter anderem christliche Kurse, Meditationen und Persönlichkeitstraining an. Es gibt aber auch andere Beispiele.

Auf dem Forum der Katholischen Akademie berichtete ein Ordensmann vom Verkauf seines Klosters. Die Stadt wollte das Gebäude kostenlos haben, erzählte er. „Aber wir brauchen finanzielle Mittel, um unsere Mitglieder im Alter gut versorgen zu können“, sagte er. Deswegen wandte sich der Orden an einen Immobilienmakler. Einige sind sogar spezialisiert auf den Verkauf alter Klöster. Ein Maklerbüro hat schon mehr als ein Dutzend ehemalige Klöster in Deutschland verkauft, wie Kugler berichtete.

Dann werden sie zu Mehrgenerationenhäusern, Firmensitzen oder sogar Autohäusern. Manchmal gelingt es Orden aber auch, Klostergebäude wieder neu mit Leben zu füllen. So zog die 1976 in Paris gegründete neue geistliche Gemeinschaft Fraternité monastique de Jérusalem 2009 ins Kloster Groß St. Martin in Köln ein. Das Kloster Roggenburg bei Ulm war 180 Jahre nicht bewohnt, bevor ein neuer Konvent der Prämonstratenser einzog. Mit Bildungszentrum, Gasthof und Hotel ist es richtig aufgeblüht – und sorgt auch für wirtschaftlichen Aufschwung.

Sebastian Heise

Schlagworte Kloster | Orden | Ordensgemeinschaft | Klostergebäude

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