17. Oktober 2014
VdK-Zeitung Archiv

Arthrose: Wann ist ein Gelenkersatz sinnvoll?

Gegen Beschwerden in Knie und Hüfte hilft Bewegung – Kunstgelenk-Operation birgt Chancen und Risiken

Wilhelm Busch reimte einmal über das Altern: „Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit.“ Doch wenn die Knie- und Hüftgelenke nicht mehr wollen, kann das Laufen mühsam sein und Schmerzen bereiten. Mit dem natürlichen Knorpelverschleiß, der Arthrose, muss jeder rechnen.

Orthopäde und Patient sollten verantwortungsvoll das Für und Wider einer Operation, bei der ein künstliches Gelenk eingesetzt wird, abwägen. | © AOK-Medienservice

Wer sich genügend – vor allem: richtig – bewegt, hat eine gute Chance, lange beschwerdefrei zu bleiben. Doch auch ein Gelenkersatz kann Linderung verschaffen. Das Zellmaterial des Knorpels nutzt sich durch zu viel oder falsche Belastung, aber auch altersbedingt, im Laufe der Zeit ab. Das Hauptproblem: Zerstörtes Knorpelgewebe regeneriert sich nicht.

Wie stark Arthrose die Beweglichkeit und die Lebensfreude einschränkt, kommt auf das Alter und die Umstände an: „Hochbetagte Menschen können oft besser damit umgehen, wenn die Gelenke schwächeln. Ein sportlich aktiver 40-Jähriger mit schmerzender Arthrose hingegen fühlt sich erheblich beeinträchtigt“, weiß Dr. Martin Quarz, Chefarzt am Median-Reha-Zentrum Bernkastel-Kues in Rheinland-Pfalz.

Viele Einflussfaktoren

Doch nicht nur das Alter beeinflusst die Entstehung von Arthrose. „Auch Fehlstellungen der Gelenke, Knochenbrüche in Gelenknähe und Übergewicht können die Krankheit begünstigen“, erklärt der Mediziner. Bei Friedhelm Brandes aus dem oberbayerischen Piding führte eine angeborene Fehlstellung der Hüfte zum Knorpelschwund. Diese wurde zwar operiert, als er noch ein Schuljunge war, doch „als ich 40 war, ging es mit der Arthrose los“.

Von den Schmerzen in der Hüfte ließ sich der heute 60-Jährige lange nicht unterkriegen. In der Freizeit blieb Friedhelm Brandes weiterhin sportlich aktiv, ging häufig schwimmen. Und wurden die Beschwerden stärker, nahm er entzündungshemmende Arzneimittel ein. Diese Krankheitsentwicklung konnte er noch bis Ende 2012 aushalten. „Da musste ich bereits wegen der unerträglichen Beschwerden täglich Tabletten einnehmen.“ Ihm war klar, dass das auf Dauer keine Lösung sein konnte.

In einer orthopädischen Fachklinik erkundigte er sich schließlich über die Möglichkeit einer Operation. Nach intensiven ärztlichen Beratungsgesprächen war es schließlich so weit: Im September 2013 wurde Friedhelm Brandes ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Das Ergebnis ließ ihn durchatmen: „Schon vier Tage nach dem Eingriff hatte ich praktisch keine Schmerzen mehr.“ Der mehrwöchige Reha-Aufenthalt stabilisierte den Pensionär weiter. Heute, knapp ein Jahr nach der Entscheidung für die Hüftprothese, sagt er: „Ich bin natürlich nicht ganz beschwerdefrei, aber das Lebensgefühl ist besser geworden.“

Außerdem trainiert er wieder moderat: „Ich gehe zweimal pro Woche ins Fitness-Studio zum Zirkeltraining.“ Für die Gelenke gilt nämlich das Sprichwort: Wer rastet, der rostet. „Der Knorpel muss ernährt werden, damit das noch vorhandene Knorpelgewebe erhalten bleibt. Das geht nur durch regelmäßige, gelenkschonende Bewegung“, erklärt Martin Quarz. Seine Tipps: Schwimmen, Warmwassergymnastik, Fahrradfahren und flottes Spazierengehen. Auf die wohltuende Wirkung von Wärme setzten schon die alten Römer in ihrer Badekultur.

Friedhelm Brandes besucht seit Jahren ein Thermalbad. Wichtig ist auch, sein Körpergewicht auf ein normales Niveau zu bringen. Jedes Kilo zu viel belastet die Gelenke zusätzlich. Laut Deutscher Rheuma-Liga werden in Deutschland jährlich bis zu 400.000 künstliche Knieund Hüftgelenke eingesetzt. Die Kritik, dass die Orthopäden zu häufig operieren würden, teilt Dr. Martin Quarz nicht. „Der Betroffene entscheidet sich für oder gegen eine Prothese. Der Eingriff sollte aber erst in Erwägung gezogen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Nutzen und Risiken sollten zuvor abgeklärt werden.“

Info

Eine kostenlose Arthrose- Broschüre bietet die Deutsche Rheuma-Liga. Über Ersatzgelenke informiert das „Merkblatt Gelenkendoprothesen“. Mehr unter Telefon (0 18 04) 60 00 00 (20 Cent/Anruf aus dem deutschen Festnetz).

Auf dem Portal des VdK-Internet- TV ist zudem ein Video zum Thema Gelenkersatz („Keramik statt Knochen – Kunstgelenke bei Arthrose“) abrufbar: Keramik statt Knochen

Elisabeth Antritter

Schlagworte Arthrose | Knorpelverschleiß

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