24. August 2014
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Auf dem Weg zu den Paralympics in Rio de Janeiro

VdK-Mitglied Anne Heinzl trainiert blinde Leichtathleten, die auf die Teilnahme an den Sommerspielen in Brasilien hoffen

In ihrer 40-jährigen Trainertätigkeit hat VdK-Mitglied Anne Heinzl zahlreiche blinde Athleten zum Spitzensport geführt. Auch die zwölffache Paralympics-Gewinnerin Verena Bentele trainierte vor 20 Jahren als junges Mädchen bei ihr. Nun betreut Heinzl Sportler, die die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro anstreben.

Trainingsgruppe (hinten von links): Begleitläufer und Trainer Rafael Marks, Christoph Sailer, Sebastian Roob, Thomas Grüssmer, Trainerin Anne Heinzl; (vorne von links) Madita Schemm und Vreni Bock. | © Heise

Das Megafon gehört zu den wichtigsten Trainingshilfen von Anne Heinzl. Die 67-jährige Münchnerin steht auf der Ziellinie und ruft ununterbrochen „gut, gut, gut“. Die elfjährige Vreni Bock läuft auf Heinzl zu. Wenn sie von ihrer Laufbahn abweicht, dreht Heinzl das Megafon in die entgegengesetzte Richtung und ruft weiter „gut, gut, gut“. Vreni erreicht so sicher das Ziel. Denn das Mädchen aus dem oberbayerischen Kreuth sieht nicht, wohin es läuft. Es ist blind.

Heinzl, Abteilungsleiterin Behindertensport beim PSV München, betreut seit 40 Jahren sehbehinderte Leichtathleten. Zu ihren größten Talenten zählt Christoph Sailer. Im vergangenen Jahr wurde der 19-Jährige in 12,0 Sekunden Deutscher Meister über 100 Meter. Seine Chancen, sich für die Paralympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu qualifizieren, sind gut. Die Schnelligkeit hat er. Es gibt jedoch ein Problem, das viele blinde Spitzensportler in Deutschland haben: Sie müssen Begleitläufer finden, die schnell genug sind. Denn im Gegensatz zu früher bestreiten blinde Sprinter die Wettkämpfe nicht mehr auf Zuruf, sie starten stattdessen mit einem sehenden Läufer.

Verbunden sind sie mit einem Greifring, den beide Sportler jeweils mit einer Hand festhalten. Natürlich gibt es Athleten, die mit Sailer mithalten können. Doch diese starten oft lieber allein bei Nicht-Behindertenmeisterschaften. Sailer ist deshalb froh, einen Begleitläufer gefunden zu haben, der seinem Können entspricht. Allerdings ist das Training aufwändig. Sein Wettkampf-Partner Philipp Töpfer reist immer aus Halle an der Saale an. In anderen Ländern, in denen der paralympische Sport professioneller betrieben wird, haben blinde Athleten deutlich bessere Trainingsvoraussetzungen als in Deutschland.

Sie bekommen Top-Sprinter als Begleitläufer abgestellt und können ständig mit ihnen trainieren. Hierzulande sind die Sportler dagegen auf das private Engagement von sehr guten Athleten und ehrenamtlichen Betreuern wie Heinzl angewiesen. Obwohl die Münchnerin sich seit drei Jahren im Ruhestand befindet, ist sie nach wie vor mit Leidenschaft auf dem Sportplatz. Allerdings ist sie froh, mit dem Sonderpädagogik-Studenten Rafael Marks einen zusätzlichen Trainer gefunden zu haben, der obendrein auch als Begleitläufer zum erfolgreichen Abschneiden ihrer Sportler beiträgt.

So läuft Marks mit Thomas Grüssmer und Sebastian Roob, die bei nationalen und internationalen Wettkämpfen ebenfalls schon Top-Platzierungen erreicht haben und die Paralympics anstreben. Der 17-jährige Roob plant während seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten extra ein freies Jahr ein, um sich voll auf Rio 2016 vorbereiten zu können.

Für die elfjährigen Mädchen Vreni Bock und Madita Schemm kommen die nächsten Paralympics noch zu früh. Sie sind die jüngsten Mitglieder in Heinzls Gruppe. Die beiden vollblinden Mädchen besuchen eine Regelschule, können aber nicht am Sportunterricht im Klassenverband teilnehmen und trainieren deshalb beim PSV München. Das Training macht ihnen viel Spaß. Besonders gern mögen sie den Weitsprung. „Es ist schön, wenn man springt und irgendwie fliegt“, sagt Vreni. Damit sie den Absprung in die Sandgrube erwischen, misst Heinzl mit ihnen den Anlauf genau ab. Dann stellen sie sich jeweils in Laufrichtung auf, halten die Arme nach vorne und Heinzl kontrolliert von der Grube aus die Richtung. Schließlich gibt sie ihnen das Startkommando und zählt die Schritte bis zum Absprung.

Den Sprint üben sie gerne auf Zuruf. Denn ohne Begleiter „läuft man freier“, sagt Madita. Durch den Greifring hingegen werde man „festgehalten“, fügt Vreni hinzu. In Wettkämpfen hat die Regelung aber einen großen Vorteil: Die Sprinter laufen nicht nur gegen die Zeit, sondern treten direkt gegeneinander an – was es natürlich auch für die Zuschauer spannender macht.

Sebastian Heise

Schlagworte Paralympics | Behindertensport | paralympischer Sport

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