24. August 2014
VdK-Zeitung Archiv

Auch China und Brasilien feiern ein Oktoberfest

Ein Volksfest erobert die ganze Welt: Die ehemalige Wiesn-Chefin Dr. Gabriele Weishäupl erklärt, warum es so erfolgreich ist

Mehr als sechs Millionen Menschen besuchen jedes Jahr das Oktoberfest in München. Viele nehmen eine weite Reise auf sich, um das größte Volksfest der Welt mitzuerleben. Doch man muss nicht unbedingt in die bayerische Landeshauptstadt kommen, um Wiesn-Luft zu schnuppern – das Oktoberfest nach Münchner Vorbild wird rund um den Erdball gefeiert.

Wohl kaum ein Mensch kennt das Oktoberfest besser als Dr. Gabriele Weishäupl. Als Fremdenverkehrsdirektorin der Stadt München kümmerte sie sich 27 Jahre lang um das berühmte Volksfest, das erstmals am 17. Oktober 1810 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese als Pferderennen stattfand. „Das Oktoberfest schafft eine einmalige Identität mit Münchner und bayerischer Tradition“, sagt sie. Das zeige sich in der Tracht, den festlichen Umzügen, der Musik und den lokaltypischen Speisen und Getränken.

Spur der Tradition

Nach der Gründung des Königreichs Bayern wurde das Fest vom Haus Wittelsbach gefördert, um ein gemeinsames Nationalbewusstsein zu schaffen. Der Erfolg hängt laut Weishäupl auch mit der professionellen Organisation durch die Stadt München zusammen. Seit mehr als 200 Jahren hält die Stadt das Fest in der Spur der Tradition und legt viel Wert darauf, ehrwürdige Attraktionen wie den „Schichtl“ (Zaubereien und Kuriositäten), die Turmrutschbahn „Toboggan“ und die „Krinoline“ (ein Rundkarussell) zu erhalten – „eine gelungene Mischung aus Heimat und Event“, so Weishäupl.

Im Herbst wird auch im restlichen Deutschland von der Waterkant bis zum Bodensee gefeiert. Das größte deutsche Volksfest außerhalb Münchens ist das Oktoberfest in Hannover mit rund 900.000 Besuchern. Auch in Argentinien, Belgien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Südkorea und in der Schweiz werden Fässer angezapft, gibt es Bierzelt und Blasmusik. Viel wurde kopiert vom Münchner Vorbild, sagt Weishäupl, „aber unvollkommen“.

Manche Volksfeste hätten mit dem Original nicht mehr gemeinsam als den Namen. Und oft vermischt sich die bayerische mit der heimischen Tradition. Sie selbst war nur einmal auf einem Oktoberfest im Ausland zu Besuch, erinnert sich Weishäupl: als Ehrengast im brasilianischen Blumenau. Aber als ehemalige „Wiesn-Chefin“ weiß sie natürlich, wo gefeiert wird. Ein Oktoberfest ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Das Theresienfest in Hildburghausen in Thüringen war nach dem Mauerfall das erste Volksfest nach Münchner Vorbild im Osten Deutschlands. „Ich leistete 1991 ,Geburtshilfe‘.“

Die größten Feste

Mehr als 2000 Oktoberfeste gibt es auf der ganzen Welt. Eine kleine Übersicht über die größten:

  • Im Südosten Brasiliens liegt eine Stadt mit Fachwerkhäusern und dem Namen Blumenau. Sie wurde 1850 von deutschen Einwanderern gegründet und ist seit 1984 Schauplatz des zweitgrößten Volksfestes Brasiliens – gleich nach dem Karneval in Rio. Wie das Münchner Original dauert es etwas mehr als zwei Wochen und lockt jährlich bis zu 700 000 Besucher an. Es gibt Weißwurst, Schweinshaxe, Sauerkraut und Bier in echten Maßkrügen, deutsche Blaskapellen werden extra eingeflogen. Die Kleiderordnung ist streng: Turnschuhe, Schlappen, Sandalen und Fußballsocken sind nicht erwünscht.
  • Qingdao in der chinesischen Provinz Shandong war von 1897 bis 1914 deutsche Kolonie und ist Sitz der weltweit bekannten Brauerei Tsingtao, die 1903 von deutschen Siedlern gegründet wurde. Seit 1990 geht es hier im August drei Wochen lang rund. Beim „International Beer Festival“ gibt es ein Riesenrad, einen spritzigen Fassanstich, Dirndl, Bier und Leberkäs’, aber auch Karaoke, Basmatireis und Drachentänzer. Die zwei bis drei Millionen Besucher können sich bei verschiedenen Trinkwettbewerben messen.
  • „O’zapft is“ heißt es seit 1974 auch in Cincinnati, der Münchner Partnerstadt im US-Bundesstaat Ohio. Drei Tage lang kleiden sich die jährlich rund 500.000 Besucher in Tracht und genießen Bier und bayerische Spezialitäten. Zur Unterhaltung wird nicht nur Volksmusik auf einer der zahlreichen Bühnen geboten, sondern auch ein Dackelrennen und der obligatorische Ententanz, mit dem sich die fast 50.000 Teilnehmer von 1995 bis 1997 einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde sicherten.
  • Die kanadische Version der Wiesn heißt „Kitchener Waterloo Oktoberfest“, hat jährlich 700.000 Besucher und startet am Freitag vor dem Erntedankfest. Neun Tage lang herrscht bayerische Gemütlichkeit in den Festzelten, die Kanadier verbinden das Fest mit dem Thanksgiving-Day, der mit einer prächtigen Parade gefeiert wird. Das Maskottchen ist ein überlebensgroßes Männchen namens „Onkel Hans“.

    Annette Liebmann

Schlagworte Volksfest | Wiesn | Oktoberfest

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