31. Mai 2014
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Inklusion: Doppelte Premiere im Münchner Stadtrat

Die beiden VdKler Verena Bentele und Oswald Utz wurden als neue Ratsmitglieder der bayerischen Landeshauptstadt vereidigt

Neue Stadträte: Verena Bentele (links) und Oswald Utz bei ihrer Vereidigung im Alten Rathaus von München. | © Heise

Menschen mit Behinderung haben im neu gewählten Münchner Stadtrat zwei starke Fürsprecher, die beide Mitglied des Sozialverbands VdK sind: Verena Bentele ist die erste blinde Politikerin im Parlament der Landeshauptstadt, Oswald Utz der erste Stadtrat im Rollstuhl. Die VdK-Zeitung hat sie zu ihrer Vereidigung und der konstituierenden Sitzung des Stadtrats begleitet.

Als der neue Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter die Stadträte im Alten Rathaus zur Vereidigung nach vorne bittet, hängt sich Verena Bentele bei ihrem Assistenten ein. Er führt die 32-Jährige vor das Podium. Dann tritt er ein paar Schritte zurück. Im Gegensatz zu den anderen 79 Stadtratspolitikern kann Verena Bentele nicht sehen und hat daher als Einzige einen Begleiter dabei.

Auf Platz drei vorgehäufelt

Verena Bentele ist die erste blinde Stadträtin Münchens. Bei der Kommunalwahl im März hat sie 181.076 Stimmen bekommen. Innerhalb der SPD wurde die zwölffache Paralympics-Siegerin und vierfache Weltmeisterin damit von Platz sechs der Liste auf drei vorgehäufelt. Nur Oberbürgermeister Dieter Reiter und die Dritte Bürgermeisterin Christine Strobl schnitten besser ab. Neben ihrer Aufgabe als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung hat Verena Bentele nun eine zweite wichtige politische Funktion – und auch in München wird sie sich für eine bessere Teilhabe der Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben einsetzen.

Welche Hindernisse es im öffentlichen Leben noch immer gibt, erlebt sie auch in ihrer neuen Funktion. So sind die Raumnummern im Rathaus für Blinde nicht zu lesen. Das will sie ändern. „Ich kann nie alles allein bewerkstelligen“, sagt Verena Bentele. „Ich werde daher oft einen Arbeitsassistenten dabei haben.“ Dieser las ihr auch in der ersten Sitzung die Unterlagen vor. Für die Assistenten stellt die Stadt eigene Mittel bereit. Außerdem will die Verwaltung ein spezielles Computersystem einrichten, mit dem Verena Bentele künftig die Unterlagen selbst lesen kann.

Mit ganz anderen Barrieren als Verena Bentele muss sich Oswald Utz auseinandersetzen. Der 49-Jährige ist als erster Rollstuhlfahrer in den Münchner Stadtrat gewählt worden. Auch Utz, der auf Platz 14 der Grünen-Liste stand, wurde nach vorne gehäufelt. Mit 83.967 Stimmen errang er das zwölfte von insgesamt 13 Mandaten seiner Partei. In den Sitzungssaal im zweiten Stock des Rathauses kommt Oswald Utz mit seinem Elektrorollstuhl zwar allein. Allerdings sind die beiden Rednerpulte im Stadtrat bisher nicht höhenverstellbar gewesen. Das wird sich nun ändern.

Hindernisse ergeben sich für ihn auch auf Außenterminen, zum Beispiel auf dem Oktoberfest. Dort hat der Stadtrat eine eigene Box auf der Empore des Schottenhamel-Festzeltes, die nur über eine Treppe zu erreichen ist. Mitfeiern wolle er auf jeden Fall, betont Utz. „Es tut mir schon ein bisschen weh, dass ich auf all meine Belange hinweisen muss“, hatte er in einem Zeitungsinterview nach der Wahl gesagt. Am Tag der Vereidigung überwiegt jedoch die Freude, Teil des Stadtrats zu sein. Die Verwaltung versuche alles, um seinen Bedürfnissen gerecht zu werden, sagt Utz. „Im Rathaus ist man sehr bemüht.“ Schon seit Langem kämpft Oswald Utz um eine gerechte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben. 2005 wurde er erster Behindertenbeauftragter der bayerischen Landeshauptstadt, was er auch weiterhin bleiben wird.

Ude spricht von Glücksfall

Der bisherige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude bezeichnete im Gespräch mit der VdK-Zeitung die Wahl von Verena Bentele und Oswald Utz in den Stadtrat als „Glücksfall“ für die Landeshauptstadt. Dies sei ein „wichtiger, qualitativer Sprung“. Für Oswald Utz gibt es viele Gründe, warum es erst jetzt Stadträte mit Handicap gibt. Seiner Ansicht nach lag es auch an den Menschen mit Behinderung selbst. Sie hätten in der Vergangenheit Experten, die nicht betroffen waren, die Behindertenpolitik überlassen. „Erst in jüngerer Zeit haben wir Menschen mit Behinderung uns emanzipiert und verstärkt politische Verantwortung übernommen.“

Sebastian Heise

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