27. März 2014
VdK-Zeitung Archiv

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Bei Verteilung von Vermögen ist Deutschland das Schlusslicht in der Eurozone

Schon mit seiner öffentlichkeitswirksamen „Aktion gegen Armut“ im Jahr 2008 und der bundesweiten Kampagne „Stoppt den Sozialabbau!“ im Jahr 2010 hat der Sozialverband VdK eindringlich vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und einer voranschreitenden sozialen Spaltung gewarnt. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt die anhaltenden negativen Auswirkungen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

© Uschi Dreiucker / pixelio.de

Deutschlands Wirtschaft ist eine der leistungsstärksten in Europa. Doch was die gerechte Verteilung von Vermögen angeht, sind wir innerhalb Europas auf dem letzten Platz. Wie die DIW-Studie ergab, besitzt das reichste Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein persönliches Vermögen im Wert von je mindestens 817.000 Euro. Demgegenüber verfügt gut ein Fünftel aller Erwachsenen über gar kein Vermögen. Bei sieben Prozent sind die Schulden sogar größer als der Besitz. Zugleich mussten Arbeitslose deutliche Vermögensverluste hinnehmen: 2002 verfügten sie noch über ein Durchschnitts-Vermögen von 30.000 Euro, zehn Jahre später sind es nur noch etwa 18.000.

Ungleichheit verfestigt

Große Unterschiede gibt es auch zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Nach wie vor können die Menschen im Osten auf weit weniger Reserven zurückgreifen als die im Westen. Fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung besitzen Erwachsene in den sogenannten neuen Ländern im Schnitt ein Vermögen von etwas mehr als 41.000 Euro. Im anderen Teil der Republik sind es 94.000 Euro. Die Studie zeigt auch, wie stark Einkommen und Vermögen zusammenhängen. Während Besserverdiener im vergangenen Jahrzehnt ihr Vermögen ausbauen konnten, blieb die Vermögenssituation der 30 Prozent mit den geringsten Einkommen konstant schlecht.

Fazit: Die Spirale der Ungleichheit verfestigt sich. Reiche beziehen immer höhere Einkommen, häufen so noch mehr Reichtum an und vererben es an ihre Nachkommen. Wer nichts hat, bekommt noch nicht einmal die Chance, aufzuholen. Dabei birgt die Vermögensungleichheit nicht nur sozialen Sprengstoff. Wenn ein Großteil der Bevölkerung so wenig verdient, dass ihm der Aufbau von Vermögen unmöglich ist, kann er auch nicht gegen Altersarmut vorsorgen. Generell zeige sich ein deutlicher Anstieg der Verschuldung. Innerhalb eines Jahrzehntes ist laut Studie der Anteil der Erwachsenen mit höheren Verbindlichkeiten als Vermögenswerten von 27,5 Prozent auf rund 32 Prozent gestiegen. Dies lässt für die Entwicklung der Altersarmut nichts Gutes erwarten.

Politik in der Pflicht

Höchste Zeit, politisch gegenzusteuern, mahnt der Sozialverband VdK. Deshalb müssen prekäre Beschäftigungsformen zurückgedrängt und Löhne und Gehälter erhöht werden. Zudem sei es an der Zeit, sehr hohe Vermögen und Erbschaften stärker zu besteuern. „Es kann und darf nicht sein, dass in Deutschland das Motto gilt: ,Einmal arm, immer arm‘“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Jeder solle eine faire Chance in der Gesellschaft bekommen. Das fange in der Kinderkrippe an und höre im Pflegeheim auf. Armut in einem reichen Land sei und bleibe ein Armutszeugnis.

Ines Klut

Schlagworte Armut | Reichtum | Vermögensverteilung | DIW | Studie | Vermögensungleichheit | Altersarmut | Einkommen | Sozialabbau | Gehalt | Lohn

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