28. Januar 2014
VdK-Zeitung Archiv

Hospizversorgung: In Bayern gibt es Lücken

Sozialpolitischer Ausschuss erarbeitete Verbesserungsvorschläge

In vielen Teilen Bayerns gibt es große Lücken in der Hospiz- und Palliativversorgung. Das hat der Sozialpolitische Ausschuss (SopoA) des VdK Bayern in seiner Sitzung in Ingolstadt festgehalten. Ein Bericht von Leonhard Wagner, Geschäftsführer des Christophorus Hospiz Vereins München, hatte bei der Sitzung des SopoA den Stein ins Rollen gebracht. Er sprach über ein wichtiges Thema, das nach wie vor tabu ist: die Sterbebegleitung.

Tauschten sich in Ingolstadt zu gesundheitspolitischen Themen aus (von links): Claudia Spiegel, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik im VdK Bayern, VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, Christian Bredl, Leiter der TK-Landesvertretung Bayern, sowie Rudi Göbel, Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses. | © Antritter


Dass dieser Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeige der enorme Fortschritt. Wagner: „Die Hospizbewegung und die Palliativmedizin haben sich in den letzten 20 Jahren beeindruckend entwickelt.“

Lebenswerte Zeit

Er stellte die Arbeit des Christophorus Hospiz Vereins München vor, der 1985 gegründet wurde. In der Einrichtung widmen 180 ehrenamtliche und 60 hauptamtliche Mitarbeiter den Betroffenen ihre Zeit, kümmern sich aber auch um die Angehörigen. Pro Jahr werden 300 Menschen stationär und 1000 Menschen ambulant auf ihrem letzten Lebensweg begleitet. Doch wer denkt, dass dort das reine Elend herrscht, irrt. „Der Fokus in der Hospizarbeit liegt nicht auf dem Tod, sondern auf der Zeit, die noch bleibt. Auch wenn diese nur kurz scheint, soll sie für die Menschen möglichst angenehm und lebenswert gestaltet sein“, sagte Wagner.

Und wenn Menschen sich nicht in die Obhut von Hospizhelfern begeben wollen? Es sei in der Tat manchmal schwierig, den Betroffenen und ihren Familien nahezubringen, sich vom Gedanken an eine Heilung zu verabschieden, weiß Wagner aus eigener Erfahrung. In Hospizen und auf Palliativstationen arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng zusammen, vor allem Ärzte, Sozialarbeiter und Pflegekräfte. Wagner gab generell die Empfehlung, eine Patientenverfügung auszufüllen, damit die Mitarbeiter der Hospize und Palliativstationen sowie die Familien sich nach den Wünschen des Betroffenen richten können. An erster Stelle steht die ambulante Betreuung. Erst später werden die Menschen stationär versorgt.

„Die meisten Menschen in Deutschland wünschen sich, zu Hause zu sterben. Tatsächlich aber sind es nur zehn Prozent, auf die das zutrifft“, sagte Leonhard Wagner. Der Bedarf an palliativen Angeboten und Hospizvereinen sei demnach viel höher als das Angebot. „Viele Betroffene, vor allem diejenigen, die keine Krebserkrankung haben, sowie alte und pflegebedürftige Menschen werden bislang nicht bedarfs- und bedürfnisgerecht versorgt“, kritisierte der Referent. In puncto Hospizversorgung in Bayern machte Leonhard Wagner ein Stadt-Land-Gefälle aus: Während Städte wie München relativ gut aufgestellt seien, können ländliche Regionen leider kaum mithalten. Zudem falle der Freistaat im bundesweiten Vergleich bei der Palliativ- und Hospizversorgung stark ab.

VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher dankte für die Ausführungen und forderte die Mitglieder auf, aktiv zu werden: „Wir müssen in den VdK-Kreisverbänden auf dieses Manko aufmerksam machen und bereits bestehende Angebote stärken.“ Ein weiterer Fokus der SopoA-Sitzung lag auf gesundheitspolitischen Entwicklungen nach den Bundestagswahlen 2013. Christian Bredl, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Bayern, gab einen Überblick über die Pläne der großen Koalition. Einen Systemwechsel bei der Krankenversicherung hin zu einer Bürgerversicherung, wie sie die SPD fordert, werde es nicht geben. Das im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorhaben, Demenzkranke besserzustellen und ins Pflegesystem einzubeziehen, begrüßt der VdK, und er wird ein Auge darauf haben, dass es umgesetzt wird.

Landärzte-Mangel

Bredl griff als einen weiteren Punkt die Knappheit an Hausärzten in ländlichen Gebieten auf. Zwar werden bereits zahlreiche Maßnahmen gefördert, um die ärztliche Versorgung dort zu verbessern. Es müssten jedoch mehr Anreize geschaffen werden, damit sich Hausärzte in der Provinz niederlassen: „Geld allein reicht nicht, auch die Infrastruktur muss attraktiver werden“, betonte der Referent. Christian Bredl kritisierte, dass verschiedene Ärzte älteren Menschen oft zehn unterschiedliche Arzneimittelwirkstoffe verschreiben würden. Oder die Patienten nehmen den gleichen Wirkstoff mehrfach ein. Der Grund: Hausärzte und Fachärzte tauschen sich nicht genügend aus. Die Risiken für die Betroffenen: Bei der Einnahme kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Hospiz | Palliativmedizin | Sozialpolitischer Ausschuss | Sterbebegleitung

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