25. Oktober 2013
VdK-Zeitung Archiv

Feuer und Flamme für lauter alte Schachteln

Das Zündholzmuseum im oberpfälzischen Grafenwiesen ist einzigartig in Deutschland

Es sind besondere Sammlerstücke, sozusagen feurige Andenken, die im einzigen Zündholzmuseum Deutschlands in Grafenwiesen bestaunt werden können. Vor allem in den Anfangszeiten des Tourismus, als das Fotografieren noch aufwändig und teuer war, nahm man gerne eine Streichholzschachtel als Souvenir mit nach Hause. Die unterschiedlichen Motive waren Beweisstücke dafür, dass man wirklich was von der Welt gesehen hat.

Eine große Streichholzschachtel am Kurpark, gleich am Ortseingang von Grafenwiesen, macht Lust auf das Museum. | © Huschke

Während es viele Briefmarkensammler gibt, kann sich ein Liebhaber von Streichholzschachteln als Exot fühlen. Denn es gibt in ganz Deutschland nur wenige davon. Umso beeindruckender sind die Zeugnisse, die der Besucher im oberpfälzischen Grafenwiesen nahe Cham vorfindet. Mehrere hunderttausend Ausstellungsstücke kann Franz Neumeier, Vorsitzender des Zündholzmuseum-Vereins, den Besuchern offerieren. Die meisten der Stücke stammen aus den 1950er- und 1960er-Jahren, manche sind sogar noch hundert Jahre älter: Streichholzschachteln jeglicher Größe, Etiketten, Präsentschachteln, Streichholzbriefchen, Zündholzbehälter verschiedenster Materialien, Sammlerkataloge, Sachbücher.

Der Verein wurde im Jahr 2000 gegründet. Neumeier geht es bei seinem Ehrenamt aber nicht nur um seine farbenprächtigen Ausstellungsstücke, sondern auch um die Kulturgeschichte der hiesigen Holzindustrie. Doch wie kam es eigentlich zur Museumsgründung? Als in Grafenwiesen von 1997 bis 1999 ein Leitbild zur Dorferneuerung erstellt wurde, besann man sich auch auf die kulturelle und wirtschaftliche Vergangenheit des Ortes. Bis in die 1930er-Jahre gab es nämlich noch viele holzverarbeitende Kleinbetriebe wie Besenbinder, Körbeflechter, Schnitzer, Holzschuhhersteller und ab 1930 auch die Firma „Allemann“, die Streichhölzer aus Pappelholz produzierte. 350 Beschäftigte hatte die Fabrik zu ihren besten Zeiten.

Beim Gedanken an die nicht mehr existierende Streichholz-Fabrik kam den Gemeinderäten, die für den Arbeitskreis Dorferneuerung zuständig waren, ein Zufall zu Hilfe: Durch eine Reportage im Bayerischen Rundfunk wurde man auf einen Sammler aufmerksam, der seine Streichholzsammlung verkaufen wollte. Und hier fackelten die Verantwortlichen der Gemeinde nicht lange. Das Kulturgut Streichholz sollte der Nachwelt erhalten bleiben, die Idee des Zündholzmuseums Grafenwiesen war geboren. Auch Neumeier war schnell Feuer und Flamme. Als Schüler hatte er einmal in den Ferien bei „Allemann“ gearbeitet, jetzt verbringt er einen Teil seiner Freizeit im einzigen Zündholzmuseum Deutschlands.

Wenn der heute 70-Jährige aus dem Fenster seines Hauses schaut, sieht er die Firma immer noch. Nur dass diese heute Türen und Tore für landwirtschaftliche Betriebe herstellt. Seit 1985 wurde dort die Streichholzproduktion eingestellt, es gab nur noch Billigimporte aus dem Ausland – und Feuerzeuge.

Kein einziges Zündholz

„In Deutschland wird heutzutage kein einziges Hölzchen mehr hergestellt“, sagt Neumeier. Es schwingt etwas Wehmut in solchen Sätzen mit. Doch gleich ist der Rentner wieder euphorisch. „Die Zündholzverpackungen sind eine Welt für sich“, schwärmt er. Die Motive: Busse, Straßenbahnen, Fahrräder, Autos, Motorräder, Stadtansichten, historische Bauwerke, Frauenbildnisse, Blumen und Tiere aller Art. Hotels machten ihre Werbung mit den kleinen Schachteln – eine kleine, aber exquisite Aufmerksamkeit für den Gast. Und irgendwie war so eine Zündholzschachtel das „kleinste Plakat der Welt“, so jedenfalls sieht es Neumeier. Erst kürzlich hat ein Sammler aus Oberbayern dem Museum den Eiffelturm und das Schloss Neuschwanstein aus Streichhölzern vermacht, auch eine kleine Geige aus Streichhölzern gehört mittlerweile zum Inventar des Museums. „Wir bekommen immer wieder Geschenke von Sammlern“, freut sich Neumeier. „Die wissen, dass ihre Stücke in gute Hände kommen.“ Denn nur in Grafenwiesen werden so viele „alte Schachteln“ gehegt und gepflegt.

Info

Jedes Jahr wechseln die Ausstellungen im Zündholzmuseum Grafenwiesen. Heuer lautet das Motto „Feuriges aus der Ferne“. Die Gemeinde ist für die Betreuung der Besucher unter der Woche, der Zündholzmuseum-Verein für die Wochenenden und Feiertage zuständig. Führungen, etwa für Schulklassen, Vereine oder Touristen, sind auf Anfrage möglich.

Das einzigartige Museum ist im ehemaligen Lehrerwohnhaus, Schönbuchener Straße 31, untergebracht. Öffnungszeiten sind am Mittwoch, Donnerstag, am Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 16 Uhr und auf Anfrage unter der Telefonnummer (09941) 940317. Weitere Infos gibt es per E-Mail (tourist-grafenwiesen@t-online.de) und online www.deutsches-zuendholzmuseum.de

Petra J. Huschke

Schlagworte Zündhölzer | Zündholzmuseum | Streichholz

Mediadaten

Hier finden Sie die aktuellen Preise (bayernweit) für gewerbliche Anzeigen für die VdK-Zeitung als Download:

Impressum

Hier finden Sie das Impressum der VdK-Zeitung:

Archiv


Hier finden Sie Artikel aus älteren Ausgaben der VdK-Zeitung:


Weitere Artikel aus der VdK-Zeitung finden Sie auf den Seiten des VdK Deutschland: VdK-Zeitung

Presse
VdK-Präsidentin Ulrike Mascher
In unseren Pressemitteilungen und Pressekonferenzen informieren wir Journalistinnen und Journalisten regelmäßig über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK Bayern.
VdK-Zeitung
VdK-Zeitung
Mit einer Druckauflage von 600.000 Exemplaren zählt die VdK-Zeitung zu den auflagenstärksten Printmedien in ganz Bayern. Alle VdK-Mitglieder bekommen sie zehnmal pro Jahr kostenlos per Post zugestellt.
VdK-TV
Symbolfoto: Eine Kamera filmt die VdK-Präsidentin
Die Videoprogramme des Sozialverbands VdK bieten spannende Interviews, aktuelle Reportagen und anschauliche Berichte. Sie sind über das Video-Portal VdK-TV jederzeit im Internet abrufbar.
Presse
Symbolfoto: Ein Briefumschlag mit einem großen @-Zeichen darin.
Wir bieten Ihnen zwei Newsletter an, die Sie kostenfrei abonnieren können: unseren Presse-Newsletter mit den aktuellen Pressemitteilungen des VdK Bayern und den monatlichen Newsletter.
Tipps und Termine
Symbolfoto: Ausgeschnittene Papiermännchen bilden einen Kreis
Mit seinen Aktionen und Veranstaltungen gelingt es dem VdK Bayern immer wieder hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzielen. Dazu gehört auch die Präsenz auf wichtigen Fach- und Publikumsmessen.