28. Oktober 2014
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VdK: Armut darf nicht zur Normalität werden

„Die Vermeidung und Bekämpfung von Armut in allen Altersgruppen muss weiterhin ganz nach oben auf die politische Tagesordnung. Armut darf nicht zur Normalität werden.“ Das fordert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, anlässlich aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Armutsgefährdung in Deutschland. Demnach waren 16,1 Prozent der Bevölkerung, also rund 13 Millionen Menschen, im Jahr 2013 von Armut bedroht.


„Arbeitslosigkeit, nicht bedarfsgerechte Grundsicherungsleistungen, vielfach niedrige Löhne, mit denen man keine Familie ernähren kann, Renten, die kaum zum Leben reichen, Frauen, die ungewollt in Teilzeit arbeiten, all das hat die Armutstendenzen in Deutschland in den letzten Jahren verstärkt und wird Armut weiter verfestigen, wenn nicht gegengesteuert wird“, mahnt Mascher.

Alarmierend sei vor allem, dass der Trend der Altersarmut unter Frauen nicht gestoppt werden kann. Zwar sei die Mütterrente ein kleiner Baustein im Kampf gegen bestehende Altersarmut. „Dennoch muss die vollständige Angleichung der Mütterrenten kommen. Das heißt, dass auch bei älteren Müttern drei Erziehungsjahre für die Rente angerechnet werden müssen. Und das Mehr an Rente muss auch für Frauen spürbar sein, die so wenig Rente bekommen, dass sie auf Grundsicherung angewiesen sind. Sie haben im Moment nichts von der Mütterrente, weil sie auf die Grundsicherung angerechnet wird. Wir fordern daher einen Freibetrag von 100 Euro“, erklärt Mascher.

„Die Zahlen machen erneut klar, dass Armut in Deutschland nach wie vor ein großes Problem ist und nicht mehr wegdiskutiert werden darf. Wer Armut im Alter vermeiden will, muss für ordentlich bezahlte Arbeit und gute Arbeitsbedingungen sorgen. Denn wer von seinem Lohn nicht leben kann, wird auch eine Armutsrente haben.“ Die steigende Zahl an Geringverdienern und Rentnern, die mit Nebenjobs versuchen, sich finanziell über Wasser zu halten, sei ein klares Indiz für die wachsende Armut. Der Sozialverband VdK sieht zwar den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn als wichtigen Schritt. Er allein reiche jedoch bei weitem nicht aus. Der VdK fordert regulierende Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt. „Leih- und Zeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse sowie Teilzeit- und Minijobs leisten der Armut, vor allem bei Frauen, Vorschub. Wenn wir Armut vermeiden wollen, dann müssen prekäre Beschäftigungsverhältnisse eingedämmt werden“, so Mascher.

Der VdK weist anlässlich der heute veröffentlichten Zahlen zudem erneut auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich hin. „Die Verteilung von Armut und privatem Reichtum verfestigt sich mehr und mehr in Deutschland. Dieses Auseinanderdriften ist nicht nur ungerecht, es ist auch gefährlich. Der Staat kann seinen sozialen Aufgaben immer schwerer nachkommen, hat kaum noch finanziellen Spielraum. Mit einer vernünftigen Steuerpolitik ließe sich für mehr sozialen Ausgleich sorgen“, betont Mascher. Der VdK fordert deshalb mehr Steuergerechtigkeit. „Spitzeneinkommen, große Vermögen und Erbschaften sowie finanzstarke Unternehmen müssen dauerhaft stärker belastet werden, um die soziale Kluft in Deutschland nicht weiter zu vergrößern. Es ist mehr als gerecht, wenn sie stärker an der Finanzierung der Staatsaufgaben beteiligt werden“, so die VdK-Präsidentin.

Cornelia Jurrmann

Schlagworte Altersarmut | Grundsicherung | Pressemitteilung | Mindestlohn | Mütterrente | prekäre Beschäftigungsverhältnisse

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