30. April 2019
VdK-Zeitung

„Wertschätzung ist so wichtig wie Wasser und Brot“

Volles Haus in der Limeshalle Hüttlingen – Referate zu gesunder Betriebskultur, gesundem Führungsstil und zur Resilienz

Mehr als 145 Gäste kamen am 27. März zur Traditionsveranstaltung für Schwerbehindertenvertreter und Personalräte auf die Ostalb. Das Thema des 24. Tages-Seminars in der Hüttlinger Limeshalle war hochaktuell: Umgang mit Stress und Leistungsdruck im Betrieb.

Referentin Ursula Dangelmayr über „Gesunde Führung“ und Führungskräfte. | © Priya Bathe/VdK


Der VdK-Kreisverband Aalen organisiert die Tagung in Kooperation mit der Industriegewerkschaft (IG) Metall und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sowie einem jährlich wechselnden Partner. In diesem Jahr konnte Kreisvorsitzender Ronald Weinschenk die Krankenkasse IKK classic gewinnen.

Hubert Fischinger, IKK-Regionalgeschäftsführer stellte zu Beginn das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) und seine Krankenkasse vor. Die IKK unterstützt kleinere und mittlere Betriebe bei der Einführung von BGM. Wolfgang König, Geschäftsführer der Firma Vitus König, ein Aalener Handwerksbetrieb für den Bereich Bad, Heizung und Sanitär, berichtete, wie die Zusammenarbeit mit der IKK aussieht. Gemeinsam mit der IKK-Gesundheitsmanagerin Irene Kellermann konnte König in seinem Betrieb analysieren, woher die hohe Stressbelastung der Mitarbeiter kam und mit welchen Mitteln sich diese ausräumen lassen.

„Bei uns herrschte vor dem BGM eine schlechte Kommunikation bezüglich der Arbeitsvorbereitung. Arbeiten wurden daher nicht richtig gemacht. Das produzierte Stress bei und zwischen den Mitarbeitern. Unter Druck und Stress sind wir andere Personen“, so König. In seinem Betrieb führte er eine Fachgruppe für BGM ein, die diese Kommunikationsabläufe verbesserte. Zudem können Mitarbeiter inzwischen Sportangebote nutzen und weitere Leistungen zur Verbesserung ihrer Gesundheit über den Betrieb bekommen. Für seine Auszubildenden (Azubis) schaffte er ein Azubi-Mobil an, an dem die Lehrlinge selbst werkeln können samt Wartungsaufgaben und Verantwortung für den Wagen.

„Es ist wichtig, dass die jungen Menschen den Übergang vom Lehrling zum Gesellen schaffen. Dafür brauchen sie eigene Projekte wie unser Azubi-Mobil, das motiviert.“ Und Wolfgang König nimmt sich selbst als Chef nicht aus, was Stressabbau angeht: „Ich habe Kommunikationspause in der Mittagspause, da ist mein Handy aus!“ Für König steht fest: „Der Prozess hat dazu geführt, dass wir achtsamer miteinander umgehen, Kontinuität durch so ein Programm ist wichtig, wir möchten, dass die Menschen sich wohlfühlen bei uns im Betrieb. Unser Standing ist bei den Kunden dadurch besser geworden“.

Gesund führen


Das Beispiel der Firma Vitus König zeigt, dass die Haltung der Geschäftsführung ausschlaggebend ist, wenn BGM erfolgreich umgesetzt werden will. Dies war auch die zentrale Aussage der nachfolgenden Rednerin, Ursula Dangelmayr. Die Diplom-Psychologin, die lange Jahre Führungskraft im Finanzdienstleistungssektor war, stellte das Thema „Gesund führen – uns und andere“ vor und ging auf die Bedeutung von Chefs, Führungskräften und auch Teamleitern ein.

„Eine Führungskraft ist zentraler Stellhebel für die Gesundheit der Mitarbeiter. Wenn sich Vorgesetzte gesund verhalten, dann sind sie Vorbild für ihre Mitarbeiter. Wenn aber eine Führungskraft sich krank ins Büro schleppt, dann ist das Signal an die Mitarbeiter: Der erwartet das von uns.“ Dangelmayr betonte, dass Führungskräfte für die Rahmenbedingungen da seien, aber auch dafür, ihre Mitarbeiter zu stärken. Es ginge um eine Care-Kultur in Unternehmen. „Diese Kultur des Kümmerns muss etabliert werden, auch wenn es ein langer Weg ist“, sagte die Referentin abschließend.

Den Nachmittag bestritt Tobias Nitzschke gleich mit zwei Vorträgen. Der Wirtschaftspsychologe, Mediator und Trainer stellte zum einen das Thema „Gesunde Betriebskultur – zwischenmenschliche Belastungen reduzieren“ sowie das Thema „Resilienz – Schutzschild gegen Burnout und Stress“ vor.

„Wertschätzung ist so wichtig wie Wasser und Brot“, sagte Nitzschke im Hinblick auf eine gesunde Betriebskultur. Er räumte ein, dass Lob und Loben auch gelernt sein will. Tobias Nitzschke stellte in diesem Zusammenhang den Hörern das ABC-Lob vor und ging auf Formulierungen ein, die positive Resonanz hervorrufen können. „Wie stellen wir Fragen, dass sie als Wunsch ankommen und nicht als Angriff?“ Angriff löse Stress im Gegenüber aus. Nitzschke forderte das Publikum mit zwei Aufgaben auf, Fragen zu zwei Situationen positiv zu formulieren. Wer genauer mit der Sprache umgehe, könne seinem Gegenüber viel entspannter und offener begegnen, sagte der Referent.

Im zweiten Vortrag „Resilienz – Schutzschild gegen Burnout und Stress“ zeigte er auf, warum wir mit Stress auf bestimmte Situationen reagieren. Oft seien dafür die eigenen „Antreiber, die Glaubenssätze in jedem einzelnen drinnen“, verantwortlich. Diese gelte es, in einem selbst zu finden und mit ihnen umzugehen und sie zu akzeptieren. Als Beispiele für Antreiber nannte er Sätze wie „Sei stark!“ – „Beeil dich!“ „Mach es allen recht!“. Eine große Bedeutung komme auch der Akzeptanzfähigkeit zu, wenn es um die Stärkung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) gehe, sagte Nitzschke. Mit der Formel „Change it – Love it – or Leave it“ erklärte er den Ansatz, wie Sachverhalte positiv für einen selbst umgedeutet werden können und damit das Stresspotenzial sinke und die innere Sicherheit stabilisiere.

Zum Abschluss der Konferenz dankte Josef Mischko von der IG Metall allen voran VdK-Kreischef Ronald Weinschenk und dessen Team für die Organisation der Tagung. Beide freuen sich schon auf das kommende Jahr: dann wird das Tagesseminar in Hüttlingen sein 25. Jubiläum feiern.

PB

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