13. Juni 2019
VdK-Zeitung

„Wohnen ist die ganz zentrale Frage“

Mit einer großen Festveranstaltung beging der Kreisverband Reut­lingen im April sein 70­jähriges Bestehen. In der Schillerhalle in Dettingen/Erms konnten sich Mit­glieder, Jubilare, VdK-­Repräsen­tanten und viele Gäste an einem sehr abwechslungsreichen Pro­gramm erfreuen.

Kreischef Jürgen Neumeister ehrt 70er-Jubilarin Anita Hellmann. | © Britta Bühler / VdK


Für interessante Informationen über das VdK-Wirken früher und heute, in Reutlingen, Land und Bund, sorgten insbesondere der Landesvorsitzende Roland Sing und der Gastgeber und Stunden zuvor wiedergewählte Kreisvorsitzende Jürgen Neumeister. Neumeister konnte auch viele Jubilare für die jahrzehntelange VdK-Treue auszeichnen.

Für die Reutlinger Pioniere Fritz Dörr und Emil Schmidt sowie Jubilarin Anita Hellmann gab es das große Goldene Treueabzeichen mit Brillant für sieben Jahrzehnte im VdK. „Gold“ ging auch an den 60er-Jubilar Josef Ruscher sowie an die „40er“ Manfred Junger, Hans-Joachim Kucklies, Hilda Weith und Albrecht Zettler, zudem an mehrere „25er“.

500-Euro-Scheck

Ebenso wertschätzten einige Ehrengäste den Jubiläumskreisverband auf der Bühne. So überreichte Manfred Brüssel, der Bezirksschatzmeister von Südwürttemberg-Hohenzollern, einen Scheck über 500 Euro und die Bundestagsabgeordneten (MdB) Michael Donth (CDU), Pascal Kober (FDP) und Jessica Tatti (DIE LINKE) würdigten in ihren Grußworten die engagierte und erfolgreiche VdK-Arbeit.

Einen detaillierten Einblick in die jetzt 70-jährige Kreisverbandsgeschichte gab Jürgen Neumeister, der seit 2011 amtiert. Dabei erinnerte er auch an den anfänglichen Widerstand der Besatzungsmacht, der dazu führte, dass man Gründungsversammlungen auf örtlicher Ebene zunächst verdeckt abhalten musste. Im April 1949 konnte dann mit Genehmigung der Militärregierung der erste Ordentliche VdK-Kreistag nach Reutlingen einberufen werden.

„Rückblickend muss festgestellt werden, dass es ein langer Weg wurde, der viel Geduld und Beharrlichkeit erforderte, um ein tragfähiges Fundament für einen Landesverband zu schaffen“, betonte Neumeister. Und er hob hervor, dass ohne den Rückhalt Tausender treuer Mitglieder die sozialpolitischen Erfolge jener Tage wie beispielsweise das Bundesversorgungsgesetz (1950) nicht zu erreichen gewesen wären.

Ebenso lenkte Neumeister den Blick auf die vielen und ebenfalls schutzbedürftigen Menschen mit Behinderung. Deren Anliegen durfte sich der VdK in der Folgezeit nicht verschließen, sondern dafür eintreten, dass dem Schwerbeschädigtengesetz das Schwerbehindertengesetz 1974 folgte. Die sich verfestigende hohe Arbeitslosigkeit und zunehmend härtere Vertei- lungskämpfe drängten den VdK ab Ende der 1960er-Jahre immer mehr in die Rolle des Streiters gegen den Sozialabbau. Auch daran erinnerte Jürgen Neumeister ohne große Erfolge wie die Anrechnung der Kindererziehungszeiten für die Trümmerfrauen und die unentgeltliche Beförderung von Schwerbehinderten zu vergessen

VdK-Servicestelle

Als weiteren Meilenstein be- zeichnete er die Eröffnung der VdK-Servicestelle Reutlingen in der Albstraße im Mai 2017. „Für diese Anlaufstelle haben wir über Jahre hinweg gekämpft. Am Schluss war es dann einfacher, da ich ja Bezirksvorsitzender gewor- den bin“, merkte Jürgen Neumeis- ter an und verwies auf den großen Zuspruch, den diese Geschäftsstel- le in den ersten zwei Jahren bereits erfahren hat.
Ebenso erinnerte der heutige Kreischef an seine Vorgänger wie den allerersten Vorsitzenden Heinrich Brucklacher, mit dem man das erste Jahrzehnt gefeiert hatte, an Erich Großmann, der einst auch Landesgeschäftsführer gewesen war, sowie an Karl Hardecker, Günter Neumeister, den älteren Bruder des heutigen Amtsinhabers, und an Wolfgang Feige. Jürgen Neumeister ließ aber auch Ereignisse wie 1950 die öffentliche Großkundgebung auf dem Tübin- ger Marktplatz Revue passieren. Da war der Kreisverband Reutlin- gen mit 1500 Teilnehmern vertreten gewesen. Und im Februar 1965 hatten sich 2200 VdKler in der Reutlinger Friedrich-List-Halle zur Großkundgebung mit Ministerprä- sident Dr. Gebhard Müller und Oberbürgermeister Oskar Kalbfell versammelt.

Als „eine starke Stimme für soziale Gerechtigkeit und unerschütterlichen Kämpfer für eine solidarische Gesellschaft mit viel Sachverstand, Einfühlungsvermögen und Idealismus“ kündigte Neumeister den Festredner Roland Sing an. Der Landesvorsitzende bezeichnete das Ehrenamt als das tragende Element des Sozialverbands VdK. Zugleich gab Sing zu bedenken, dass die steigenden VdK-Mitgliederzahlen auch der zunehmenden Not vieler Menschen geschuldet sind.

VdK-Wohnberater

Wie zuvor Jürgen Neumeister verwies Roland Sing auf das jetzt 70-jährige Bestehen der Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg (GSW), einer hundertprozentigen VdK-Tochter. Die hatte 1949 damit begonnen, Wohnraum für Kriegswitwen zu schaffen. „Das war sozialer Wohnungsbau!“, betonte der VdK-Landeschef und hob hervor, dass „Wohnen die ganz zentrale Frage geworden ist“. In diesem Zusammenhang lenkte er auch den Blick auf die seit 2018 mehr als 40 ehrenamtlichen VdK-Wohnberater im Südwesten. Ebenso verwies Sing auf das VdK-Muster-Apartment auf der Bundesgartenschau Heilbronn, wo die Besucher noch bis Oktober dieses mit moderner AAL-Technik ausgestattete Apartment besichtigen können (Anmerkung der Redak- tion: AAL steht für alltagsunterstützende Assistenzlösungen wie zum Beispiel selbstausschaltende Elektrogeräte).

Einmal mehr rief der Landesvorsitzende dazu auf, die gesetzliche Rente zu stärken. „Das hat Priorität“, betonte er und erinnerte an Adenauers Rentenreform 1957, wo man dem Kapitaldeckungsverfahren eine Absage erteilt und zum Umlageverfahren gekommen war. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die sogenannte Respektrente von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sprach sich Roland Sing klar gegen eine Bedürftig- keitsprüfung aus, denn hier gehe es nicht um Sozialhilfe, sondern um eine Versicherungsleistung.

Bei seinem Gang durch die Sozialpolitik erinnerte Sing zugleich an den mehr als ein Jahrzehnt währenden VdK-Kampf für eine Rückkehr zur Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung. „In der Sozialpolitik ist ein langer Atem erforderlich!“, bekräftigte der Landesverbandsvorsitzende und kam hier auf den langen VdK-Einsatz für eine gesetzliche Pflegeversicherung und den ebenfalls langen Kampf für die Gleichstellung der Demenzkranken in der Pflegeversicherung zu sprechen. Da die Leistungen der Pflegeversicherung mit der Kostenentwicklung nicht Schritt gehalten haben, hohe Eigenanteile den Pflegeheimbewohnern zu schaffen machen, sind jetzt weitere VdK-Maßnahmen erforderlich. Roland Sing rief denn auch dazu auf, die große Pflegeaktion 2019 des VdK Baden-Württemberg zu unterstützen und zu unterschreiben.

Theater und Tanz

Den Festakt beendete feierlich das gemeinsame Singen der Deutschen Nationalhymne, ebenfalls gespielt von Walter Preising und Gottlieb Eberhardt vom VdK Münsingen, die den gesamten Festakt musikalisch begleiteten. Dann war die Bühne frei für vielerlei Vorführungen wie lustige Sketche, einer inklusiven Vorführung mit behinderten und nicht behinderten Tänzern, mit Seilspringen der Extraklasse sowie mit einem Bauchtanz, der es in sich hatte.

Novum beim Rahmenprogramm: Bauchtanz und Seilspringen in Perfektion. | © Britta Bühler / VdK


Darüber hinaus gab es auch im Foyer Allerlei zu sehen und zu bestaunen: Zauberer Herbert Haag zeigte seine Tricks. Und man konnte sich beim Stand der Aktion Teddybär Reutlingen informieren. Sie sorgt dafür, dass Kinder beispielsweise nach Operationen, bei der Erstversorgung durch Sanitäter und bei weiteren Notsitua- tionen einen Teddy als Trostspender bekommen. Am erneut sehr reich bestückten Stand von Ursula Sing, konnten die Besucher viele verschiedene selbst gefertigte Spielsachen, praktische Helfer und Accessoires für einen guten Zweck erwerben. Nutznießer des Verkaufserlöses waren diesmal die ARCHE Intensiv-Kinder Kusterdingen und der Reutlinger Teddybären-Verein.

bü / VdK

PRESSEKONTAKT

Britta Bühler
Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V.
Telefon: 0711 / 6 19 56 53
E-Mail: b.buehler@vdk.de

Die VdK-Zeitung zum Hören


Informativ und inklusiv

© contrastwerkstatt/fotolia.de


Dem Sozialverband VdK Baden-Württemberg e.V. ist mit der Entwicklung der „VdK-Zeitung zum Hören“ ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion gelungen. Das erweiterte Angebot der VdK-Zeitung gibt blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, sich über das Telefon die vielfältigen und zahlreichen Artikel zu sozialen Themen bequem vorlesen zu lassen – ohne zusätzliche Kosten zum gewohnten Festnetztarif.

Gleich anrufen und abhören – zum Festnetztarif:
Durch einfachen Tastendruck könne zudem ein Artikel übersprungen oder zum vorherigen zurückgekehrt werden.

VdK-Zeitung Nordbaden (07 11) 26 89 83-55
VdK-Zeitung Nordwürttemberg (07 11) 26 89 83-66
VdK-Zeitung Südbaden (07 11) 26 89 83-77
VdK-Zeitung Südwürttemberg (07 11) 26 89 83-88

--------------------------------------------------------
Flyer VdK-Zeitung zum Hören.pdf (864,66 KB, PDF-Datei)

VdK-Themen
Rentner mit Gehstock
Der Sozialverband VdK ist für Ältere ein kompetenter Ratgeber im Rentenrecht. Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Informationen rund um die Themen Rente und Leben im Alter.
VdK-Themen
Junger Mann im Rollstuhl an seinem Arbeitsplatz
Wir treten für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Hier finden Sie aktuelle Informationen und nützliche Tipps rund um die Themen Behinderung und Barrierefreiheit.
VdK-Themen
Demente Seniorin mit Sohn
Der Sozialverband VdK setzt sich für eine menschenwürdige Pflege ein, die die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und deren Angehörigen sichert.
VdK-Themen
Krankengymnastik
Wir beraten unsere Mitglieder zum Thema gesetzliche Krankenversicherung. Hier finden Sie nützliche Informationen, unsere Forderungen sowie Positionen rund um das Thema Gesundheit.
VdK-Themen
Umgekipptes Glas mit Geldmünzen
Von Armut und sozialer Ausgrenzung sind besonders Kinder, Senioren, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose betroffen. Der VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft.