31. Mai 2019
Presse

Rückblick auf VdK-Landesfrauenkonferenz 2019

Am 9. Mai 2019 war es wieder soweit.
Da konnte Landesfrauenvertreterin Carin E. Hinsinger zur diesjährigen Landes-frauenkonferenz die Bezirks- und Kreisfrauenvertreterinnen sowie weitere aktive Frauen aus den 52 Kreisverbänden willkommen heißen.

Ausschnitt aus dem „Plenarsaal“ in Fichtenau-Neustädtlein. | © Nancy Schüler/ VdK


Ihr besonderer Gruß galt den neuen Amtsinhaberinnen Ilona Wendorf (Baden-Baden), Waltraud Kemper (Göppingen) und Petra Wolz (Ravensburg), außerdem Lore Hirrlinger, der Frau des 2018 verstorbenen VdK-Ehrenpräsidenten Walter Hirrlinger, die der Landesfrauen-konferenz seit langem sehr verbunden ist. Und Hinsinger erinnerte an Christine Dessup, Kreisfrauenvertreterin von Göppingen, die letzten Sommer gestorben ist. Einmal mehr verwies Carin E. Hinsinger auf die Rolle der VdK-Frauenvertreterinnen als wichtige Multiplikatorinnen. Ebenso ermunterte sie die in Fichtenau-Neustädtlein versammelten Frauen, sich weiterhin für Gleichberechti-gung einzusetzen. Denn: Wenngleich im letzten Jahrhundert von den Frauen er-kämpft, gebe es nach wie vor eingefahrene Rollenmuster, so Hinsinger mit Blick auf Männer, die gerne als dynamisch bezeichnet werden, wenn sie im Beruf weiter-kommen wollen, gegenüber Frauen, die in solcher Situation schnell als „karriere-süchtig“ abgestempelt werden. Die frühere VdK-Vizepräsidentin rief dazu auf, männliche und weibliche Klischees zu überwinden mit gegenseitiger Achtung und Respekt.

Neues TSVG und weitere sozialpolitische Felder


Gleich fünf große Themenkomplexe hatte sich Landesvorsitzender Roland Sing für sein Referat zur aktuellen Sozialpolitik vorgenommen: Wohnen, Gesundheit, Pfle-ge, Barrierefreiheit und Rente. Er erinnerte an VdK-Themen, die „Dauerläufer“ sind, wie beispielsweise die Kinderarmut, aber auch an Erfolge wie die Rückkehr zur Pa-rität bei den Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung nach zehn Jahren des VdK-Kampfes. Ebenfalls zu den Dauerthemen gehört beim VdK das „Wohnen“. Hier verwies Sing auf die schon 70 Jahre währende Arbeit des VdK-Bauträgerunternehmens GSW in Sigmaringen. Dass die GSW heute noch erfolg-reich ist, sei ein Beweis dafür, dass sozialer nicht gewinnorientierter Wohnungsbau möglich ist. Denn, die Erhöhung des Wohngelds, löse so Roland Sing, das Problem nicht. Im Gesundheitspart seines Referats informierte der VdK-Landeschef über das TSVG – das Terminservice- und Versorgungsgesetz, das seit dem 11. Mai in Kraft ist. Mit dem TSVG sollen Kassenmitglieder unter anderem schneller Arzttermine er-halten. So sollen Ärzte künftig mindestens 25 Stunden Sprechzeit pro Woche an-bieten. Und Hausärzte, die für ihren Patienten einen Termin beim Facharzt ausma-chen, sollen dies vergütet bekommen, ebenso Hausärzte, die neue Patienten an-nehmen. Roland Sing kritisierte in diesem Zusammenhang aber auch, dass mit dem TSVG viel Geld ausgegeben werde, welches eigentlich den Kranken zustehen soll-te, nun aber an die Ärzte gezahlt werde. Mit Blick auf die aber Oktober 2020 gelten-de Regelung, wonach festsitzender Zahnersatz, der zurzeit für viele gesetzlich Ver-sicherte finanziell nicht möglich ist, mit einem von 50 auf 60 Prozent angehobenen Kassenzuschuss bedacht werden soll, brachte Sing seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Zahnärzte und Zahntechniker nun nicht ihre Vergütungspauschalen anhe-ben – die Erhöhung käme sonst nicht den Patienten zu Gute. Der Referent infor-mierte ebenso darüber, dass künftig die Verordnung von Massagen erleichtert wird, weil der Therapeut entscheiden kann, was er macht und wie oft die Behandlung erfolgen soll. Außerdem sollen Heilmittel wie beispielsweise Inkontinenzartikel wie-der vor Ort eingekauft werden können.

Wichtige Hinweise zur Pflegeversicherung


Unter dem Stichwort „Pflege“ gab Roland Sing ebenfalls wertvolle Tipps. Er riet da-zu, sich beraten zu lassen und nachzufragen, um von Ansprüchen aus der Pflege-versicherung überhaupt zu erfahren und diese auch durchsetzen zu können. „Denn es gibt keine Leistungen von Amts wegen!“ So wüssten viele nicht Bescheid über Zuschüsse der Pflegekassen zu Umbaumaßnahmen, monierte Sing und in-formierte darüber, dass Angehörige, die pflegen alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Reha-Maßnahme haben. Zur aktuellen VdK-Aktion in Baden-Württemberg „Pflege macht arm!“ sagte er, dass es auf Landesebene darum geht, die Investiti-onskosten für die Betroffenen zu senken, weshalb das Land dazu bewegt werden soll, sich wieder an diesen Kosten, so wie bis 2010 erfolgt, zu beteiligen. Roland Sing rief denn auch die Anwesenden dazu auf, weiter Unterschriften zu sammeln und diese Landesverbandsaktion tatkräftig zu unterstützen.

VdK-Medienauftritte gezeigt


Kommunikationsleiterin Silvija Eibel thematisierte ebenfalls die VdK-Pflegeaktion 2019 und erinnerte an die Landespressekonferenz zum Auftakt am 7. Februar. Da-zu zeigte sie auch diverse Berichte des Südwestrundfunks (SWR) und den Studio-auftritt des Landesvorsitzenden Sing in der SWR-Abendschau. Außerdem verwies sie auf die Infomappe, die alle Orts- und Kreisvorsitzende erhalten haben. Bis zur Frauenkonferenz Mitte Mai waren 17 000 handschriftliche Unterschriften beim Lan-desverband eingegangen und zusätzlich online 4000. Bis zum VdK-Gesundheitstag am 14. September gilt es nun weiter kräftig Unterschriften zu sam-meln. „Denn 50 000 sollten es mindestens werden!“, so Eibel und Sing unisono. Des Weiteren stellte sie im Saal die verschiedenen Materialien vor, die kostenlos in der Marketingabteilung des Landesverbands bestellt werden können, und zeigte den Aktionsfilm mit Heilbronns Kreisfrauenvertreterin Elisabeth Knörle, den man ebenso herunterladen kann, wie eine Musterrede.

Der Stuttgarter Facharzt Dr. Thomas Kuhn behandelte zwei wichtige Themen. | © Nancy Schüler

Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs


Um den medizinischen Schwerpunkt der Tagung kümmerte sich Dr. Thomas Kuhn, der Ärztliche Leiter am Brustzentrum des Diakonie Klinikums Stuttgart und Leiter des Präventionszentrums preavaris. Der Onkologe und Gynäkologe hatte gleich zwei detaillierte Fachvorträge mitgebracht. Zunächst ging es um Brustgesundheit. „Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs“, betonte er und verwies auf viele Unter-schiede, die jeweils genau geprüft werden müssten. Daher solle man die Behand-lung immer individuell ausrichten. Brustkrebs könne von den Milchgängen ausge-hen und sei dann bei der Mammographie gut sichtbar. Und er spreche auch gut auf Chemotherapie an. Nicht so, wenn der Brustkrebs von den Milchläppchen ausgehe. Hier brauche man das MRT. Dr. Kuhn nannte noch weitere Unterschiede, die zu prüfen seien, ehe über die Frage der Behandlung entschieden werden könne. Wenn noch keine Metastasen vorliegen, sei in 85 bis 90 Prozent der Fälle die Hei-lung möglich, für zehn Jahre oder sogar zeitlebens. Wenn jedoch Metastasen vor-liegen, sei keine Heilung möglich, aber man könne gleichwohl viel tun und laut Schulmedizin gebe es manchmal sogar Spontanheilungen, so Dr. Kuhn und nann-te die Säulen der Brustkrebstherapie: Operation, bei Lymphbefall auch Bestrahlung, Tablettentherapie und Chemotherapie. Auf die Frage einer Teilnehmerin, ob eine Patientin unter 40, die eine „Chemo“ hatte, noch Kinder bekommen kann, sagte der Referent, dass die Eierstöcke unter der Behandlung litten. Wenn jedoch vor der Chemo Eier entnommen und eingefroren würden, könne der Kinderwunsch reali-siert werden. Und auf die Frage nach der steigenden Zahl immer jüngerer Brust-krebspatientinnen nannte der Mediziner das verstärkte Risiko durch Rauchen, Alkohol und Übergewicht. Abschließend gab Dr. Thomas Kuhn den Frauen mit auf den Weg: „Leben Sie im Heute und Hier!“

Schlaf wichtig für Regeneration


In seinem zweiten Vortrag „Schlaf – Eine traumhafte Regeneration für Körper und Seele“ hob Dr. Kuhn hervor, dass der Schlaf ein Zustand äußerer Ruhe bei Mensch und Tier ist. Das Schlafbedürfnis von Erwachsenen betrage zwischen sechs bis zehn Stunden. Man brauche den Schlaf für Wachstum, Regeneration, zum Sparen von Körperenergie und für die Verarbeitung von Eindrücken. Der Experte erinnerte daran, dass für den Schlaf-Wach-Rhythmus das Hormon Melatonin verantwortlich ist, welches durch Stress beeinträchtigt werden könne. Der Referent informierte über die Schlafstörungen Insonie (fehlender Schlaf; gestörtes Ein-/Durchschlafen), Hypersonie (zu viel Schlaf) und Parasonie (Schlafwandeln, Alpträume, Zähneknir-schen, Bettnässen) und kam auf körperliche und psychische Ursachen zu spre-chen wie beispielsweise Schlafapnoe, Herzinsuffizienz, vergrößerte Prostata mit häufigem Wasserlassen, Schilddrüsenüberfunktion, Depression oder auch De-menz. Ebenso sprach er die Behandlung von Schlafproblemen durch Schlafhygie-ne, die Behandlung von Grunderkrankungen, durch Hausmittel, pflanzliche Mittel (Baldrian, Zirbelkiefer, Passionsblume) oder auch durch Schlafmittel und Psycho-therapie an. Zur „Schlafhygiene“ zählte der Experte das regelmäßige zu Bett gehen in ritualisierter Form, keine längeren Nickerchen tagsüber, kein Alkohol vor dem Schlafengehen oder auch kein Sport nach 20 Uhr. Bei der Teilnehmerfrage zum Wechsel Sommer-Winterzeit meinte der Facharzt, dass die Winterzeit besser für uns wäre, dass aber vor allem der Wechsel abgeschafft werden solle.

„Respekt-Rente“ angesprochen


Landesgeschäftsführer Hans-Josef Hotz informierte die Versammlung über die Konzept „Respekt-Rente“ von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Ziel ist hier, dass die Rente höher ist als die Grundsicherung im Alter, weil die Lebensleis-tung der Rentnerinnen und Rentner berücksichtigt wird. (Lesen Sie dazu auch die Bündnis-Pressemitteilung vom Mai 2019 auf diesen Internetseiten.) In seinem Vor-trag kam Hotz noch auf den Aufbau des Landesverbands Baden-Württemberg und dessen steigende Mitgliederzahlen zu sprechen – häufig bedingt durch das erfolg-reiche Wirken der VdK-Sozialrechtsreferenten. „Viele Mitglieder sind auch viele Wählerstimmen“, gab er zu bedenken. Zugleich erinnerte er daran, dass der VdK keine Zuschüsse vom Staat bekommt, politisch neutral und unabhängig ist.

Voltaire-Zitat zum Abschluss


Keine Landesfrauenkonferenz ohne Arbeitstagungen der Bezirksverbände. Hier regten die Teilnehmerinnen an, einen Flyer über die Tätigkeit der Frauenvertreterin zu erstellen. Zum Abschluss gab Carin E. Hinsinger den VdK-Frauen ein Wort von Voltaire mit auf den Weg: „Da Glücklich-Sein für die Gesundheit sehr wichtig ist, habe ich mich entschlossen, glücklich zu sein“. Daran sollten auch wir uns halten, so Hinsinger.

Britta Bühler

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Britta Bühler
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